Milchkonsum

Hafermilch auf dem Vormarsch


So wirbt Oatly in Berlin.
Imago Images / STPP
So wirbt Oatly in Berlin.

Alternative Milchprodukte gewinnen in den Niederlanden seit Jahren Marktteile. Die Milchbranche reagiert mit einer Mischung aus Anpassung und Widerstand.

Beispielhaft für das schnelle Wachstum der alternativen Milchprodukte ist das schwedische Unternehmen Oatly. Vor sieben Jahren fuhr die Marke noch etwa 20 Mio. $ ein – bis 2019 hatte sich der Umsatz verzehnfacht. Laut eigenen Angaben sind sie nach der amerikanischen Firma Quaker, welche für Cruesli bekannt ist, der zweitgrößte Haferabnehmer der Welt. In diesem Jahr werde sich der Umsatz erneut verdoppeln, „wenn die Fabriken das bewältigen können“, äußerte sich der CEO von Oatly, Toni Petersson, gegenüber der niederländischen Zeitung Het Financieele Dagblad (fd). Die Nachfrage sei so groß, dass man sie kaum bewältigen könne.

Starbucks steigt ein

Im April 2019 eröffnete Oatly ein neues Werk in New Jersey, um Engpässe auf dem US-Markt zu beheben. Seit 2016 gibt es die Marke auf dem US-Markt. Dieses Jahr wird ein Werk in Utah das Portfolio der Firma ergänzen. Das soll die Produktionsmengen steigern, um den neuen Lieferkontrakt mit Starbucks erfüllen zu können. Starbucks möchte nachhaltiger werden und „alternative Milch ist ein großer Teil der Lösung“, erklärte Kevin Johnson, CEO von Starbucks, gegenüber Bloomberg.

Nachhaltigkeit ist auch das, was Petersson bewegt: „Unser Fleisch- und Milchkonsum ist nicht nachhaltig. Das System muss sich ändern.“ Er erklärt gegenüber dem fd, dass die Herstellung eines Liters Hafermilch um 73 Prozent weniger CO2 verursacht als die Produktion eines Liters Kuhmilch. Für den CEO ist klar, dass besonders junge Menschen ihr Ernährungsverhalten umstellen und als eine Art Erzieher für die ältere Generation fungieren. Zahlen des Marktforschungsinstituts IRI belegen seine These. 2019 wurden in den Niederlanden Milchersatzprodukte im Wert von fast 67 Mio. € verkauft. Das ist eine Steigerung um 16 Prozent im Vorjahresvergleich.

Niederlande sind Dreh- und Angelpunkt

Das Wachstum für Oatly wird in Europa hauptsächlich in den Niederlanden generiert. Vergangenes Jahr im September eröffnete das Unternehmen in der Nähe von Vlissingen ein neues Werk – hier werden 120 Mio. Liter Hafermilch pro Jahr produziert. Dieses Jahr soll die Produktion verdoppelt werden, um die steigende Nachfrage in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden zu befriedigen. Zu diesen Zwecken wurde auch ein Verkaufs- und Marketingbüro in Amsterdam eröffnet. Die Produktrange des Unternehmens befindet sich in der Erweiterung – Oatgurt, Eiscreme und Kekse sind schon auf dem Weg oder in Planung.

Die niederländischen Supermärkte reagieren auf den Hype um die Milchersatzprodukte. Die Kette Albert Heijn hat sogar eine eigene Handelsmarke für die Alternativen. Das Angebot soll erweitert werden. Der Supermarkt verzeichnet „ein beträchtliches Wachstum“ in dieser Sparte, äußerte sich ein Sprecher des Unternehmens gegenüber fd.

Nicht nur für Oatly läuft es rund, auch für den belgischen Lebensmittelhersteller Alpro, der sich auf pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten spezialisiert hat. In den Niederlanden erlebte die Marke ein „enormes Wachstum“. So zumindest kommentierte der kaufmännische Direktor René van den Cruijsem die Situation gegenüber der fd. Alpro gehört seit 2016 zum französischen Milchkonzern Danone. Der Wandel scheint damit auch in der Milchbranche angekommen zu sein.

Milchbranche unter Beschuss

Der Konsumwandel ist schon im Milchsektor zu spüren. Laut Recherchen des fd wurden Milcherzeuger wie MelkUnie und FrieslandCampina hart getroffen. Die niederländischen Supermärkte verkauften im vergangenen Jahr 897 Mio. Liter Milch, das sind 4,5 Prozent weniger im Vorjahresvergleich. Angaben des Marktforschungsinstitut IRI bestätigen, dass in den Niederlanden schon seit Jahren weniger Milch konsumiert wird und der Rückgang hält an.

Andere Sektoren sind der Milchbranche einen Schritt voraus. Vion zum Beispiel, niederländischer Fleischverarbeiter, setzt nun vermehrt auf pflanzliche Fleischersatzprodukte. Die Molkereien werden nachziehen, ist sich Petersson sicher. FrieslandCampina vereint 20.000 Milchviehhalter unter sich und produziert kaum pflanzliche Alternativen. Momentan hat das Unternehmen nur eine pflanzliche Kaffeemilch im Angebot. Oatly-Ceo Petersson bekräftigt gegenüber dem fd: „Der Verbraucher sitzt am Steuer. Sie treiben den Wandel voran, und die Anbieter müssen sich dem anschließen.“

Die Milchbranche fühlt sich von dem Wandel bedroht. Der Molkerei-Riese Arla reagiert dementsprechend. Kürzlich startete das Unternehmen eine große Kampagne. Die Botschaft: Ein echter Schwede trinkt seinen Kaffee mit Kuhmilch. Petersson hat Verständnis für die Milchbauern. Dennoch bleibt er seiner Meinung treu, die Landwirte müssten sich von der althergebrachten Produktion lösen. Er könne nicht verstehen, dass die Europäische Union dieses Agrarsystem mit Subventionen aufrechterhält. Seiner Meinung nach sollte die Landwirte lieber finanzielle Unterstützung bekommen, um den Wandel der Branche voran zu treiben.

 

 

 

 

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