Milchmarkt

Bergbauern brauchen Genossenschaften


Die Milchviehhaltung in Bergregionen ist extensiv.
Pixabay
Die Milchviehhaltung in Bergregionen ist extensiv.

Die Milchwirtschaft kann in Berggebieten ohne Genossenschaften nicht überleben. Dies erklärte der Leiter der Bergmilch Südtirol in Brüssel dem Agrarausschuss.  


Anhand von Beispielen informieren sich die Agrarexperten im Europa-Parlament über die Lage der Molkereigenossenschaften. Dass Genossenschaften eine wichtige Funktion bei der Stabilisierung der Auszahlungspreise haben, darüber sind sich die Abgeordneten einig. Schließlich erfassen sie rund 60 Prozent der Milch in der EU.

Hohe Erfassungskosten

Die Milchwirtschaft würde in Berggebieten ohne die Genossenschaften nicht überleben. Davon ist Robert Zampieri überzeugt, Leiter der Bergmilch Südtirol in Italien. Nur diese Betriebsform käme mit den schwierigen Produktionsbedingungen in den Alpen zurecht. Rund 4000 km müssten die Wagen der Genossenschaften täglich zurücklegen, um die Milch aus den abgelegenen Höfen abzuholen. Ein Viertel der Landwirte habe weniger als 10 Kühe und viele von ihnen seien fast 70 Jahre alt. Die hätten nicht die Möglichkeit, in die Kühlung zu investieren, damit der Milchwagen nur noch alle zwei bis drei Tage zu kommen brauche, berichte der Direktor der Bergmilch Südtirol. Aber die hohen Erfassungskosten könne die Genossenschaft durch überwiegend lokal vermarkte, hochwertige Produkte ausgleichen. Bei 53,62 Cent/Liter Milch liege man zur Zeit brutto, weshalb die 2500 Mitglieder der Genossenschaft ihren Schnitt machten. Als Problem der Genossenschaft gab Zampieri das Interesse der Mitglieder an einem kurzfristig hohen Milchauszahlungspreis an, was Investitionen in neue Produkte und ins Marketing erschwere.

Ein Viertel der nordirischen Milch vom Brexit betroffen

Vor anders gelagerten Herausforderungen stehen Molkereigenossenschaften an der irisch-nordirischen Grenze. Es müsse einen geordneten Austritt ohne Kontrollen an der Grenze geben, forderte dringlich William Irvine, Vorsitzender des Molkereiausschusses der Ulster Farmers Union. Ein gutes Viertel der nordirischen Milch werde von Molkereien in der Republik Irland verarbeitet und die Produkte kämen dann wieder ins Vereinigte Königreich. Die Milcherzeugung wurde in Nordirland in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und der Brexit dürfe diese Entwicklung nicht stören, betonte Irvine im Agrarausschuss des Europaparlaments. Die irischen Genossenschaften Lakeland Dairies und Lacpatrick Dairies würden demnächst fusionieren. Sie seien auf die Erfassung der Milch auf beiden Seiten der Grenze angewiesen. Demnächst werde der Zusammenschluss auch seine Verarbeitungskapazitäten in Nordirland ausbauen und wolle sich zudem auf dem nordafrikanischen Markt engagieren, berichtete Irvine. Die Milchauszahlungspreis liege zurzeit bei 0,33 €/Liter.

Entfremdungstendenzen bei Genossenschaften

Von den 10 Größten Molkereien in der EU seien 4 genossenschaftlich organisiert, hielt Michiel van Galen von der Universität Wageningen in den Niederlanden fest. Genossenschaften bündelten die Verhandlungsmacht der Landwirte und verschafften den Milcherzeugern so einen Zugang zu den Einkäufern des konzentrierten Lebensmitteleinzelhandels. Allerdings werde es mit zunehmender Größe der Milchviehbetriebe schwieriger, die Interessen der verschiedenen Erzeuger unter einen Hut zu bekommen, hat van Galen in einer Studie herausgekommen. Im Wachstum der Molkereigenossenschaften sieht er Vorteile und Nachteile. Die Größe sei eine Notwendigkeit, um auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Und solange Großbetriebe wie die Arla oder FrieslandCampina noch um den Rohstoff in Konkurrenz mit anderen stünden, sieht der Wissenschaftler auch keine Gefahr für den Auszahlungspreis. Allerdings will er gewisse Entfremdungstendenzen zwischen den Landwirten und ihrer Genossenschaft bei zunehmender Größe nicht grundsätzlich ausschließen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats