Milchmarkt

BMG: Ein Tiefschlag für den Wettbewerb


Die Wellen, die die BMG-Pleite verursachen, scheinen langsam zu verebben. Doch ist der Käse damit gegessen? Nein, findet das Milchboard und stellt einige deutliche Statements zur Krise auf.

Anscheinend sind alle Milchproduzenten, die durch die BMG-Insolvenz ins kalte Wasser gefallen sind, bei neuen Kunden unter. Was ein wenig untergeht: Viele dieser Lösungen sind nur übergangsweise. Der Vorstandsvorsitzende des MEG Milch Boards Peter Guhl rechnet mit massiven Preisabschlägen.

Obwohl die Rettung der – noch solventen – Milchproduzenten das Gebot der ersten Stunde war, stellt sich nun die Frage, was der Untergang der BMG für den Milchmarkt bedeutet. Die Berliner Firma war ein wichtiger Wettbewerber. Die BMG, sagt Guhl, war eine Hand für all jene Milcherzeuger, die sich mit dem Status quo nicht mehr abfinden und neue Wege in der Milchvermarktung gehen wollten. Auffällig viele von ihnen waren laut Guhl ehemalige Genossen. Damit seien sie auch gut gefahren. Es hätte vorbildliche Verträge mit konkreten Daten über Preis und Menge gegeben.



Es sei eine Ironie des Schicksals, dass das Bundeskartellamt nur Wochen vor der Pleite ein Verfahren gegen eine große deutsche Genossenschaftsmolkerei mit der Begründung eingestellt hatte, die hohe Zahl von Molkereiwechseln würde zum Wettbewerb beitragen, so Guhl.

Guhl findet, die Pleite der BMG sei vielmehr eine Aussage über den Zustand des Marktes als ein Managementfehler. Die Fehler „hätten in einem funktionierenden Marktumfeld nicht so verheerende Ausmaße annehmen können“. Der Markt sei vielmehr übersättigt und hätte nun dem schwächsten Glied der Verwertungskette – der BMG – das Rückgrat gebrochen. Der Fall der BMG sei jedoch kein Einzelfall, sondern vielmehr ein Muster, das den Wettbewerb um Rohmilch stetig schrumpfen ließe. Die erzeugte Menge Milch steige dagegen unkontrolliert weiter an.

Guhl sieht in dem Untergang der BMG ein Vorbeben. „Wenn wir so weitermachen, wird der Tag kommen, an dem das Fass überläuft.“ Er fordert deswegen die Installation eines funktionierenden Mengenmanagementsystems, sodass eine bedarfsgerechte Milcherzeugung gewährleistet wird. „Die Politik sollte sich die Frage stellen, ob dies gesellschaftlich gewollt ist und ob es nicht endlich an der Zeit ist, sich an die Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft zu erinnern und diese auch umzusetzen.“


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  1. Jan Heusmann
    Erstellt 24. März 2018 07:09 | Permanent-Link

    Zum Geschäftsmodell der BMG gehörte es, erhebliche Milchmengen auf dem Tagesmarkt, dem sogenannten Spotmarkt, abzusetzen. Bei einem solchen Geschäft muss allen Beteiligten klar sein, dass es mit Risiken behaftet ist.
    Ich finde es ist eine Frechheit, den genossenschaftlich organisierten Milcherzeugern, die mit erheblichen Investitionen dafür sorgen, dass für die angelieferten Michmengen auch Verarbeitungskapazitäten zur Verfügung stehen, Verantwortungslosigkeit im Markt vorzuwerfen.
    Die Pleite der BMG hat gezeigt, dass es nicht damit getan ist, Menge und Preis vertraglich festzuhalten. Wir brauchen hier auch keine staatlichen Vorgaben.
    Der entscheidende Punkt ist das Geschäftsmodell der Molkereien. Wenn in Genossenschaften die Milcherzeuger über ihre finanzielle Beteiligung an den Vermarktungskapazitäten echte Verantwortung für den Milchmarkt übernehmen, könnte das ruhig einmal gewürdigt werden.

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