Milchmarkt

„Wir sehen keine fundamentale Krise“

Der Branchenexperte Markus Patzke von der Rabobank in Frankfurt hält steigende Erzeugerpreise für Milch in der 2. Jahreshälfte für möglich. Ein international sinkendes Rohstoffangebot trägt dazu bei.

Foto: Rabobank
 

az: Seit Mitte 2017 steigen die Milchpreise hierzulande wieder an. Wie geht es 2018 weiter?

Patzke: Weltweit werden derzeit in der EU die höchsten Preise für Milch bezahlt. In den Niederlanden ist aber der Auszahlungspreis an Landwirte bereits gesunken. Mit einer ähnlichen Entwicklung rechnen wir auch hierzulande im Markt in den kommenden Monaten. In der zweiten Jahreshälfte könnten sich die Milchpreise laut unseren Annahmen dann wieder leicht erholen. 2018 wird kein einfaches Jahr am Milchmarkt, aber wir sehen keine fundamentale Krise.

Wie sieht es hinsichtlich der Milcherzeugung am deutschen Markt aus?

Patzke: Derzeit bewegt sich die produzierte Menge an Milch wieder auf dem Niveau von 2015 und liegt damit deutlich über der von 2016. Für das erste Halbjahr 2018 beobachten wir auf Grund der Übermengen durchaus Preisdruck im Markt, vor allem auf der Proteinseite. Hier liegen die Kurse weiterhin unter ihrem fünfjährigen Durchschnitt.

Ganz anders entwickelt sich das Segment Butter. 2017 war geprägt von hoher Volatilität mit den Höchstständen in der Mitte des Jahres und dem anschließenden starken Preisverfall. In den vergangenen Wochen tendieren die Kurse bereits wieder aufwärts. Im Gegensatz zur Proteinseite liegen sie für Butter nach wie vor deutlich über dem fünfjährigen Durchschnitt. Diese historisch ungewöhnliche Spreizung zwischen Butter und Protein bleibt vorerst weiter bestehen.

Was ist zur globalen Erzeugung 2018 zu sagen?

Patzke: Hier muss man zuerst nach Neuseeland schauen, einer der weltweit maßgeblichen Exporteure von Milcherzeugnissen. Dort gab es in den vergangenen neun Monaten teilweise starke Wettereinflüsse auf die Produktion. Zu Beginn der dortigen Saison war es zu trocken, im Anschluss viel zu nass. Die ursprüngliche Erwartung einer Produktionsausweitung wurde inzwischen von einer Verringerung der Menge abgelöst. Diese Situation hilft, den Druck auf die hiesigen Preise zumindest etwas zu mildern.

Insgesamt erwarten wir vor allem im zweiten Halbjahr 2018 ein deutlich langsameres Mengenwachstum, im vierten Quartal sogar eine geringfügig geringere Menge, verglichen mit 2017. Diese Entwicklung im zweiten Halbjahr wird vor allem durch eine geringe Produktion in der EU und anderen maßgeblichen Exportländern gestützt.

China ordert mittlerweile gezielt höherwertige Molkereiprodukte. Können deutsche Hersteller davon profitieren?

Patzke: Ja, mit der richtigen Positionierung, den richtigen Partnern und der notwendigen Erfahrung. Zwei Kategorien sind hier herauszuheben: Baby- und Trinkmilch. Im Segment Babymilch kommen circa 75 Prozent aller chinesischen Importe aus der EU. Unternehmen der EU haben also eine sehr starke Position.  Im Segment der Trinkmilch, die aber insgesamt eine kleinere Kategorie in China ist, haben sich einige Unternehmen in den vergangenen Jahren eine starke Position erarbeitet und neue Märkte erschlossen. Jedoch muss hier erwähnt werden, dass die jeweils exportierbare Menge natürlich stark von der Nachfrage innerhalb der EU abhängig ist – nicht auch zuletzt von der lokalen Verwertbarkeit in anderen höherwertigen Kategorien. Daher gibt es im Segment der Trinkmilch durchaus Schwankungen der Exportmengen nach China.

Die Fragen stellte Olaf Schultz

Das vollständige Interview lesen Sie in der Printausgabe der agrarzeitung (az) am kommenden Freitag, dem 16. März.

Termin
Mit Krisen am Milchmarkt und den Chancen für die deutsche Milch im internationalen Wettbewerb, beschäftigt sich das Berliner Milchforum am 15. und 16. März 2018. Es laden ein der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Milchindustrie-Verband (MIV) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

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