Modellprojekt

Naturschutz im Pachtvertrag umstritten

Der Bauernverband reagiert ungehalten auf Bemühungen des Bundesumweltministeriums. Das hatte empfohlen, Öko-Regeln mit in Pachtverträge hineinzuschreiben.

Auf die seit längerem bestehende Mission des Bundesumweltministeriums, ökologische Grundregeln in Pachtverträgen zu etablieren, reagierte der Deutsche Bauernverband in dieser Woche ungehalten. Nach einem Gespräch von agrarzeitung.de mit einer Vertreterin des Bundesumweltministeriums wird zwar klar, dass dem Ministerium das Engagement der Landwirte für Biodiversität im Rahmen des Greening langfristig nicht ausreicht. Doch bislang steckt das Modellprojekt "Fairpachten" der Nabu-Stiftung, das vom Bundesumweltministerium finanziell gefördert wird, noch in den Kinderschuhen.

Die Bemühungen betreffen ohnehin lediglich einzelne Regionen, etwas Bundesweites sei nicht geplant, versucht eine Ministeriumssprecherin zu schlichten. Die Suche nach Grundbesitzern und Pächtern, die sich zur Verfügung stellen, laufe noch. Konkret stellt das Ministerium den Projektverlauf wie folgt dar: Zunächst werden interessierte Grundeigentümer gesucht, gemeinsam mit diesen sollen ökologische Aspekte für die Pacht erarbeitet werden. Anschließend würden im nächsten Schritt interessierte Landwirte angesprochen.

Obwohl die Flächen noch nicht feststehen, zählt man vor allem auf Regionen, in denen Landwirte eine hohe Bereitschaft haben, auf ökologischen Landbau umzustellen. In solchen Regionen hält es die Ministeriumssprecherin für realistisch, dass Grundbesitzer auch die nötigen Pächter finden können, die sich auf mögliche Grundregeln einlassen. In jedem Fall kann solch ein Vorhaben nur auf Neuverpachtungen wirken. In laufende Pachtverträge lässt sich nicht eingreifen. "Das Bundesumweltministerium plant keine Bodenrevolution", sagt eine Sprecherin gegenüber agrarzeitung.de. Eine gesetzgeberische Ableitung ist weder Ziel noch geplant.

Nichtsdestotrotz gibt das Ministerium zu verstehen, alle Hebel in Bewegung setzen zu wollen, Umweltmaßnahmen auf dem Acker zu erhöhen. Das Argument, dass Landwirte ungern Blühstreifen anlegen, weil der bürokratische Aufwand so hoch sei, kann die Sprecherin des Bundesumweltministeriums gut verstehen. Naturschutz müsse sich für Landwirte defintiv auszahlen. Sie fordert unbürokratischere Verfahren.
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