NABU

Kampf gegen „pseudo grünen“ Sprit


Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Der Nabu fürchtet ebenso wie die Landwirtschaftsverbände vermeintliche Schlupflöcher bei der überfälligen Definition von Rohstoffen mit iluc-Risiko. Allerdings sind die Gründe andere.

In die Debatte um die Definition von Rohstoffen mit hohem beziehungsweise niedrigem Risiko indirekter Landnutzungsänderungen – „high iluc risk“ und „low iluc risk“ schaltet sich jetzt auch die Umweltschutzvereinigung NABU ein. Das Kommissionspapier, das eigentlich gemäß erneuerbarer Energien Richtlinie Red II am 1. Februar hätte vorliegen müssen, ist noch in Bearbeitung.  Details aus dem Vorschlag der EU-Kommission zur Definition von high und low iluc risk, die bisher durchgesickert sind, gehen den Umweltschützern nicht weit genug.

Die Kommission erkenne zwar in dem so genannten „delegierten Rechtsakt“ an, dass für den Anbau von Ölpalmen Rodungen von Tropenwald erfolgen und der aus Palmöl gewonnene Biodiesel daher nicht zur Erreichung der EU-Zielvorgaben für umweltfreundliche Brennstoffe gezählt werden könne, so der NABU in einer Mitteilung Anfang der Woche. Leider lasse die Kommission jedoch mehrere „Schlupflöcher“ zu, darunter eine Ausnahme für Palmöl, das in unabhängigen kleinen Plantagen von weniger als fünf ha oder den Palmenanbau auf nicht genutzten Flächen, auf  denen in den vergangenen fünf Jahren keine landwirtschaftliche Produktion stattgefunden habe.

Auch Ufop und Copa Cogeca befürchten Schlupflöcher

Für den NABU treibt die „Ausweitung des Ölpalmen-Anbaus zur Versorgung der Autos in Europa“ Entwaldung und Moorentwässerung in Ländern wie Indonesien und Malaysia voran. „Biodiesel aus Palmöl ist für das Klima dreimal so schädlich wie fossile Dieselkraftstoffe“, bilanziert die Nicht-Regierungsorganisation. Denn im Jahr 2017 seien 51 Prozent des in Europa verwendeten Palmöls in den Tanks von Autos und Lastwagen gelandet. Für Deutschland habe dieser Anteil 2017 bei 46 Prozent gelegen. Palmöl müsse „aus den Tanks von Autos und LKW verschwinden“, fordert der NABU und wirbt in dem Zug eine Online-Petition unter dem Titel „No Palm Oil in my Tank!“ (Kein Palmöl in meinem Tank!), die sich gegen „fake-green“ fuels – pseudo-grüne Kraftstoffe – im Tank ausspricht.

Auch der deutsche Ölsaatenverband Ufop und der Dachverband der EU-Bauernverbände Copa / Cogeca fürchten Schlupflöcher bei der Definition der Rohstoffe mit hohem und niedrigem iluc-Risiko. Doch anders als dem NABU geht es ihnen nicht um einen Kampf gegen „pseudo-grüne“ Kraftstoffe. Vielmehr fürchten die Verbände, dass zu großzügige Definitionen für „low iluc risk“ Palmöl die Konkurrenz für EU-Ölsaaten im Kraftstoffmix verschärfen – und damit zu Lasten der EU-Landwirtschaft gehen.

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