Nachfrage ist robust

Inland schlägt Export

Weizen
Foto: Hans/Pixabay
Weizen

Auch im kommenden Wirtschaftsjahr 2018/19 ab 1. Juli wird mehr Weizen im Inland und im EU-Binnenmarkt abgesetzt als im Drittlandexport. Davon sind Marktexperten der Hauptgenossenschaften überzeugt. Der Übergang von der alten zur neuen Saison dürfte deutlich knapper werden als zunächst erwartet.

Russland wird der EU als scharfer Konkurrent im globalen Weizenmarkt erhalten bleiben. Das beurteilen die Agravis in Münster/Hannover, die Baywa in München und die RWZ Raiffeisen in Köln übereinstimmend so. „Russland wird weltweit auch zukünftig der wichtigste Exporteur von Weizen sein“, stellen die Marktexperten der Agravis dazu auf Anfrage der agrarzeitung (az) fest. Die Baywa weist zudem darauf hin, dass „in Russland ein starker politischer Wille besteht, Herausforderungen hinsichtlich der Logistik und Infrastruktur schnell zu lösen – das hat die Saison 2017/18 gezeigt“.

Starker Konkurrent Ukraine

Auch die Ukraine setze politisch „voll auf Weizen“, wie die RWZ ergänzt. Was zusätzlich im Wirtschaftsjahr 2018/19 nach Einschätzung der Kölner zu erneut hohen Exporten aus Richtung Schwarzmeerregion führen dürfte: Russland wird nach der rekordhohen Ernte in der noch laufenden Saison 2017/18 hohe Endvorräte mit in die neue Kampagne schleppen – und somit erneut hohe Mengen an Weizen auf dem globalen Markt platzieren können.

Doch das ist nach Einschätzung der Marktexperten der Hauptgenossenschaften kein Grund für Teilnehmer am deutschen Weizenmarkt, die Köpfe in den Sand zu stecken. Denn: Die Nachfrage im deutschen Inlandsmarkt, die in der laufenden Kampagne viel Weizen aufgenommen hat, und am EU-Binnenmarkt ist auf Wachstumskurs.

Steigende Vermahlung

Nach Erwartungen der Agravis dürfte der Bedarf im Futtersektor „überdurchschnittlich hoch“ bleiben, da die „deutsche Mischfutterproduktionsmenge konstant zu bleiben scheint“ und Weizen sich zudem in den Rationen rechne. Hinzu komme eine leicht steigende Vermahlung. Als Wachstumsmarkt für Weizen im Inland betrachten die Marktkenner aus Münster/Hannover zudem die Stärkeproduktion. Auch die RWZ erwartet, dass „der Inlandsmarkt und der Export innerhalb der EU“ im neuen Wirtschaftsjahr 2018/19 „eine dominierende Rolle“ spielen werden.

Abgeschrieben ist der Vermarktungsweg „Export“ deswegen aber lange nicht: Die Agravis weist darauf hin, dass der Weizenexport für Deutschland „immer wichtig“ bleibe, große Verschiffungen aber eher in Jahren hoher Überschüsse zustande kämen – beides trifft für die aktuelle Saison nicht zu und wird auch im kommenden Wirtschaftsjahr den derzeitigen Einschätzungen zufolge nicht der Fall sein. So haben Landwirte in Deutschland 2017 eine Weizenernte von rund 24 Mio. t eingefahren – 2014 waren es noch knapp 28 Mio. t. Gegenwärtig beziffert der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) die Produktion im Sommer 2018 mit rund 23 Mio. t. Davon einmal abgesehen, räumen die Baywa und die RWZ hiesigen Exporteuren weiterhin hohe Chancen auf den globalen Absatzmärkten für Qualitätsweizen wie Saudi-Arabien ein. Mit einer Einschränkung: Dort stehe deutscher Weizen allerdings „im Wettbewerb mit Polen und dem Baltikum“, wie die RWZ betont.

Landwirte halten Restmengen zurück

Darüber hinaus rechnen die Marktexperten damit, dass der Übergang zur neuen Ernte hierzulande sportlich werden wird. Er könne „ähnlich knapp verlaufen wie in der Kampagne zuvor“, analysiert die Agravis. Denn: Das Exportpotenzial Deutschlands sei in diesem Wirtschaftsjahr nahezu ausgeschöpft. Hinzu komme, dass „Weizen sich im Mischfutter aufgrund der hohen Sojaschrotpreise immer noch“ rechne. Auch die RWZ stellt fest, dass die Versorgung mit Weizen, die über weite Strecken der laufenden Saison als gut „ausreichend“ betrachtet worden war, momentan knapp erscheine. Zum einen sei „sehr viel Brotgetreide in den Futtersektor abgeflossen“, außerdem habe sich „die Mühlenindustrie sehr kurzfristig versorgt“. Zum anderen hätte sich die Landwirtschaft seit den zum Teil deutlichen Preisanstiegen der vergangenen Wochen „mit der Abgabe restlicher Weizenmengen zurückgehalten und den Markt zusätzlich verknappt“. Das Fazit der Kölner: „Überlagerung bis zur neuen Ernte ist nicht ausgeschlossen.“

Ein weiterer Aspekt, den die Marktkenner auf dem Radar haben: die Trockenheit, die den Beständen in Deutschland mehr und mehr zusetzt.

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