Nafta-Verhandlungen

Kanadas Milchbauern in Angst


Ohne Zugeständnisse bei Molkereiprodukten wird Kanada keine Einigung in den Handelsgesprächen mit den USA erzielen. Die Milchwirtschaft fürchtet geopfert zu werden.

US-Präsident Donald Trump hat immer wieder gegen die Abschottung des kanadischen Milchmarktes gewettert. In den Verhandlungen für ein neues Nafta-Abkommen zwischen den USA und Kanada steht deshalb das Thema Molkereiprodukte ganz oben auf der Agenda der US-Delegation. Trump muss den Farmern, die schon unter dem Handelskrieg mit China leiden, einen Erfolg, das heißt, einen besseren Marktzugang nach Kanada, präsentieren. Ohne eine Öffnung des Milchmarktes wird Trump einer Reform des Handelsvertrages nicht zustimmen, ist auch den kanadischen Milcherzeugern klar. Sie profitieren bisher von einem Außenschutz und Produktionsquoten, die relativ stabile Preise garantieren.

Milcherzeuger gehen in die Offensive

„Wie viel wird genug sein?" fragt der Experte für globalen Handel Patrick Leblond von der University of Ottawa im kanadischen Agrarmagazin The Western Producer. „Ist es eine zollfreie Quote von fünf Prozent der gesamten Milchproduktion? Wäre das genug, um die Amerikaner zu befriedigen?" Die Milcherzeuger und die Molkereibranche fürchten einen Ausverkauf ihrer Interessen. In den Medien trommeln sie seit Wochen für eine unnachgiebige Haltung ihrer Regierung gegenüber den Forderungen aus dem Süden.

Ontario und Quebec besonders betroffen

Ihr Ziel ist eine Quotenregelung mit einer möglichst geringen Menge. Eine völlige Öffnung des kanadischen Marktes würde das Ende der Familienfarmen bedeuten, sagte Ron Sleeth, ein Milchviehhalter aus Ontario, den Global News. Vor allem in Ontario und Quebec im Osten Kanadas gibt es viele relativ kleine Milcherzeuger, die kaum eine Chance sehen, sich im ungeschützten Wettbewerb mit den US-Konkurrenten zu behaupten.

US-Wirtschaft fordert schnellen Abschluss

Aber auch für die US-Unterhändler ist die Aufgabe nicht einfach. Kanada ist der wichtigste Handelspartner der USA. Zusätzlich zum Handelsstreit mit China kann sich die US-Wirtschaft eine Eskalation des Konflikts mit Kanada kaum leisten. Zudem sind die Lieferketten zwischen den USA und Kanada weitaus komplexer als jene zwischen den USA und China. Neue Zölle hätten deshalb verheerende Auswirkungen für alle Beteiligten. Aus der US-Wirtschaft werden deshalb Rufe lauter, nach Mexiko auch Kanada schnell in das neue Nafta-Abkommen einzubinden.

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