Narkose

Isofluran gegen Sachkundenachweis


Ab 2021 ist die Schmerzausschaltung vor der Ferkelkastration Pflicht. Bis dahin müssen sich alle Beteiligten auf ein Verfahren geeinigt haben.
Foto: schweine.net
Ab 2021 ist die Schmerzausschaltung vor der Ferkelkastration Pflicht. Bis dahin müssen sich alle Beteiligten auf ein Verfahren geeinigt haben.

In das Thema Ferkelkastration kommt Bewegung: Das Bundeslandwirtschaftsministerium will Landwirten die Isofluran-Narkose ermöglichen. Aus Australien stammt eine Schmerzlinderungs-Alternative.

Eine in Australien praktizierte Methode zur Schmerzlinderung bei der Kastration von Ferkeln wird derzeit deutschen Landwirten schmackhaft gemacht. Das Tierarzneimittelunternehmen Medical Ethics hat bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung für Tri-Solfen beantragt. Mit einer Entscheidung über die Zulassung wird im Herbst gerechnet. Danach kann die Zulassung für den deutschen Markt beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingereicht werden. 
In Australien und Neuseeland kommt Tri-Solfen vor allem bei Schafen für das Schwänzekupieren, die Kastration oder zur Enthornung bei Kälbern zum Einsatz. Manche handeln das von Bayer Animal Health vertriebene Mittel schon als weiteres Verfahren neben der Ebermast, Impfung, Lokal-Anästesie und der Betäubung mit Isofluran. Das Gel ist allerdings primär für die 
Schmerznachbehandlung geeignet, erklärt ein Tierarzt. Es diene zur Linderung des Wundschmerzes. Als Alternative oder gar fünften Weg sei es daher nicht geeignet, da in Deutschland bei der Kastration die Schmerzfreiheit gefordert wird.

Tierarztvorbehalt soll fallen

Gleichzeitig arbeitet das Landwirtschaftsministerium (BMEL) an einer Ermöglichung des vierten Weges für Tierhalter. Der Verordnungsentwurf des BMEL sieht die Aufhebung des Tierarztvorbehalts für die Kastration unter Isoflurannarkose vor. Damit sollen Landwirte selbst ihre Ferkel mit dem Gas Isofluran betäuben dürfen. Voraussetzung ist ein Sachkundenachweis des Tierhalters. Der Deutsche Bauernverband begrüßt das Vorhaben. Die Kastration unter Isoflurannarkose gehöre in Landwirtehand, „weil die Landwirte es können“, erklärte Generalsekretär Bernhard Krüsken. Die Vorbehalte der Tierärzte wies er zurück. "Landwirte sind keine Laien", erklärt auch Carina Konrad (FDP), die sich ebenfalls für diese Möglichkeit ausspricht. 
Die agrarpolitische Sprecherin der Linken, Dr. Kirsten Tackmann, spricht sich hingegen für den Ausstieg aus der chirurgischen Ferkelkastration aus, also für die Ebermast oder für die Impfung. Bei der Isoflurannarkose aus Landwirtehand seien weder die sachgemäße Durchführung inklusive Vor- und Nachbereitung noch die notwendige Kontrolle oder der Arbeitsschutz gesichert, so ihre Kritik.  

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