Naturbewusstseinsstudie

Vorhersehbare Ergebnisse zur Gentechnik

Sind alle Fragen der Naturbewusstseinsstudie korrekt gestellt? Das BfR hat Zweifel.
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Sind alle Fragen der Naturbewusstseinsstudie korrekt gestellt? Das BfR hat Zweifel.

Die Aussagen der Bevölkerung zur Gentechnik, die das Umweltministerium jüngst veröffentlich hat, sind aus Sicht des BfR vorhersehbar. Noch schwerer wiegt der Vorwurf über Mängel im Fragebogen.

Das Bundesumweltministerium (BMU) hat jüngst gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) die "Naturbewusstseinsstudie 2017" veröffentlicht. In der Studie wird beispielsweise folgende Kernaussage getroffen: 79 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. Nur 13 Prozent halten ein Verbot für "eher nicht wichtig", zwei Prozent finden es "überhaupt nicht wichtig".

Methodisch suboptimal

"Diese Ergebnisse sind nicht überraschend, obwohl die Befragung methodisch suboptimal ist", sagt Privatdozentin Dr. Gaby-Fleur Böl, Abteilungsleiterin Risikokommunikation am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Gespräch mit der agrarzeitung. Die Naturwissenschaftlerin bemängelt aus sozialwissenschaftlicher Perspektive die Fragestellungen und Antwortmöglichkeiten. Sie seien teilweise suggestiv formuliert und böten sozial erwünschte, unausgewogene Antwortmöglichkeiten. In einer Aufgabe wird folgende Aussage getroffen, die die Befragten auf einer Skala von 'sehr wichtig' bis 'unwichtig' bewerten sollen: 'Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen in der Landwirtschaft wird verboten.' Böl sagt, negative Aussagen geben eine Richtung vor. Besser wären neutrale Formulierungen wie beispielsweise: "Wie sehen Sie den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft?"

Unterm Strich macht die mangelhafte Sorgfalt bei der Erstellung des Fragebogens allerdings keinen Unterschied zu den Ergebnissen des BfR in puncto innere Haltung des Verbrauchers gegenüber Gentechnik. Für Böl liegt das daran, dass die öffentliche Diskussion zu Gentechnik, insbesondere zur Risikoforschung, nie adäquat geführt wurde. Dies sei aber bei Einführung jeder neuen Technologie wichtig. Als positives Beispiel nennt sie den gesellschaftlichen Diskurs zur Nanotechnologie.

Vor diesem Hintergrund ist es ein Leichtes für Gentechnikgegner, sich die Aussagen der Naturbewusstseinsstudie, die, so die Gegner, auf "einer kritischen Haltung der Bevölkerung" basieren, zunutze zu machen. So fordert Harald Ebner, Sprecher der Grünen zu Gentechnik, Prüfung und Kennzeichnung alter wie neuer biotechnologischer Methoden. Eine Risikoprüfung befürworten zwar auch Wissenschaftler aufgrund genereller Ängste in der Bevölkerung und möglicher unvorhersehbarer Ereignisse, obwohl Forscher nach derzeitigem naturwissenschaftlichen Wissensstand keine Gefahr beim Konsum gentechnisch veränderter Lebensmittel sehen.

Doch der Vorwurf der Gegner, ohne Regulierung von Crispr/Cas würde man dem Verbraucher, Produkte unterjubeln, die er nicht will, stimmt nur bedingt, wie eine Umfrage des BfR zu Crispr/Cas zeigt. Zwar gilt diese mit 39 befragten Personen als nicht repräsentativ, doch lediglich 5 Prozent der Befragten hatten nach eigener Aussage überhaupt einmal etwas von der Methode gehört.
Rund 2.000 Menschen befragt
Um repräsentative Aussagen der Bevölkerung zur Gentechnik zusammenzufassen, wurden nach Angaben beider Behörden Ende des Jahres 2017 Daten erhoben, die auf einer Stichprobe von 2.065 Personen aus der deutschsprachigen Wohnbevölkerung im Alter ab 18 Jahren beruhen.

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