Neonicotinoide

Countdown für Canola-Beize läuft


Für Rapsanbauer in Kanada steht ebenfalls ein Ende der Beizung mit Neonicotinoiden ins Haus. Wenn das Gesetz kommt, dann allerdings mit längerer Übergangszeit.

In Kanada wird Canola-Raps auf rund 9,2 Mio. ha angebaut und praktisch die gesamte Saatgutmenge wird mit Beizmitteln behandelt, die Neonicotinoide enthalten, berichtet das kanadische Agrarmagazin Producer.com. Für die Anwendungen ist der Countdown eingeläutet. Das kanadische Gesundheitsministerium (Health Canada) hat in dieser Woche empfohlen, die Zulassungen der Wirkstoffe Clothianidin und Thiamethoxam für alle Anwendungen im Freiland einschließlich der Beizungen in den kommenden drei bis fünf Jahren auslaufen zu lassen. Zu dem Vorschlag findet jetzt – wie in Kanada bei solchen Gesetzesentwürfen üblich – eine öffentliche Anhörung über 90 Tage statt, in der alle Betroffenen Stellungnahmen abgeben können. Dazu gehören Vertreter der Agrarbranche gleichermaßen wie Naturschützer und Verbraucheranwälte.

Risiko für Wasserflöhe

Das Ministerium beruft sich auf neue Berichte zu den Neonicotinoiden Clothianidin und Thiamethoxam, nach denen  die beiden Wirkstoffe Wasserinsekten schädigen, die wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Fische oder Vögel sind. Diese Begründung unterscheidet sich von der Argumentation in der EU, wo Neonicotinoide wegen ihres Risikos für Bienen und andere Bestäuber verboten worden sind.

Noch dürfen kanadische Landwirte das Saatgut mit Neonicotinoiden beizen. Die Zulassungen sollen aber auslaufen.
Canola Council of Canada
Noch dürfen kanadische Landwirte das Saatgut mit Neonicotinoiden beizen. Die Zulassungen sollen aber auslaufen.
Rapsbeizmittel enthalten in Kanada laut Producer.com entweder Clothianidin von Bayer oder Thiamethoxam von Syngenta. Auch in Kanada weisen Agrarberater wie in Deutschland daraufhin, dass bei einem Neonicotinoid-Verbot die Landwirte häufiger Insektizide gegen Käfer spritzen müssten. Diese Flächenanwendungen würden Nutzinsekten und die Umwelt stärker schädigen als die Beizmittel, warnen die Agrarexperten.

Risiken werden nicht gegeneinander abgewogen

Producer.com zitiert dazu einen Vertreter der Zulassungsbehörde für Pflanzenschutzmittel, der bei einer Pressekonferenz begründet hat, warum die Risiken nicht gegeneinander abgewogen werden: „Die alternativen Pflanzenschutzmittel sind registriert und einer sorgfältigen Risikobewertung unterzogen worden“, argumentiert Scott Kirby von der kanadischen Behörde.

Der aktuelle Gesetzesentwurf betrifft die beiden Wirkstoffe Clothianidin und Thiamethoxam. Für das dritte Neonicotinoid aus der Gruppe, das Imidacloprid von Bayer, das in Kanada als Bestandteil von Weizenbeizmittel verwendet wird, hat Health Canada bereits Ende 2016 empfohlen, die Zulassung auslaufen zu lassen. Auch bei diesem Wirkstoff argumentiert die Behörde mit Risiken für Wasserinsekten.

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