Als Beizen für Raps und Mais dürfen Neonicotinode bereits seit Jahren nicht mehr genutzt werden. Die EU-Kommission möchte jetzt das Verbot auf alle Freilandkulturen ausdehnen. Deutsche Umweltschützer attackieren Landwirtschaftsminister Schmidt.

Die möglicherweise bienengefährlichen Insektizide stehen auf der Tagesordnung des EU-Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (PAFF), der heute und morgen in Brüssel tagt. Noch bleibt ungewiss, ob es zu einer Abstimmung kommen wird. Nach dem Vorschlag der EU-Kommission wären dann auch Behandlungen von Rübensaatgut und von Kartoffeln ausgeschlossen.

Die Europäische Lebensmittelbehörte (Efsa) hat für den kommenden Februar ein weiteres Gutachten über die Gefahr der Neonicotinoide für Bienen angekündigt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erklärte kürzlich in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ man solle mit der Abstimmung in Brüssel warten, bis die Efsa ihre Einschätzung aktualisiert habe. Der Europaabgeordnete Martin Häusling (Grüne) fordert ein Verbot nicht nur für das Freiland, sondern auch für Gewächshäuser. Eine Verbreitung der Neonicotinoide in Insekten, Vögeln und Wildpflanzen sei sonst nicht zu verhindern, so Häusling.

Vielstimmige Warnungen aus Deutschland

Auch der Parteikollege auch Niedersachsen, der naturschutzpolitische Sprecher der Grünen und ehemalige Landwirtschaftsminister, Christian Meyer, meldet sich zu Wort: „Neonicotinoide und das in Eiern gefundene Insektengift Fipronil müssen komplett aus der Landwirtschaft verschwinden – dies ist auch im Interesse der Landwirtschaft selbst, die auf Bestäuber und andere Nützlinge angewiesen ist", so Meyer. Niedersachsen müsse sich dem Bündnis pestizidfreier Kommunen anschließen. Bundesagrarminister Schmidt müsse nach seinem Glyphosat-Egotrip endlich die Notbremse ziehen.


Auch der BUND warnt den Bundeslandwirtschaftsminister. Er solle "nicht wieder der Quertreiber sein, so wie kürzlich bei Glyphosat". Die Umweltorganisation sieht ein Verbot für drei Neonikotinoid-Anwendungen im Freiland, wie es die EU-Kommission vorschlägt, als längst überfällig an.




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