Neonikotinoide

Heftige Reaktionen auf Efsa-Studie


Von den Grünen bejubelt, von der Branche weitgehend akzeptiert - soweit  reichen die Reaktionen auf die lang erwartete Studie der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa zur Nutzung von Neonikotinoiden. Nur einer hält dagegen.


Die Efsa hatte gestern eine  lang erwartete neue Studie zur Risikoeinschätzung der drei Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam veröffentlich. Dabei kam heraus, dass jegliche Nutzung dieser Neonikotinoide ein Risiko für Bienen darstelle. 

Der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt kann das so noch nicht akzeptieren. Er will die Ergebnisse des Efsa-Berichts durch das Julius-Kühn-Institut prüfen lassen. Das Ergebnis werde in die deutsche Position für die entscheidungsrelevanten Sitzungen einfließen. "Wie ich angekündigt habe, wird das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Entscheidung auf wissenschaftlicher Basis treffen", so Schmidt. Das Vorschlagsrecht für die notwendigen Verordnungen liege bei der EU-Kommission, dem wolle er nicht vorgreifen. Eine weitere Beschränkung der bisherigen Zulassungen sei aber zu erwarten. "Wir wollen alle eine verträgliche Koexistenz zwischen Landwirtschaft und Bienen sowie anderen Bestäubern."


Der Deutsche Bauernverband (DBV) will der Neubewertung der Efsa folgen. „Wir haben immer erklärt, dass der Maßstab für eine Zulassung von Pflanzenschutzmitteln eine fundierte wissenschaftliche Bewertung ist. Wenn wir dadurch aber eine effektive Wirkstoffgruppe verlieren, um unsere Pflanzen vor Schädlingen zu schützen, ist es jetzt eine echte Herausforderung, Alternativen zu entwickeln“, so DBV-Präsident Joachim Rukwied.


Grüne und Umweltverbände pochen hingegen auf sofortiges Handeln. „Die Bienengifte müssen jetzt schleunigst vom Acker. Wenn Union und SPD es ernst meinen mit ihrem Insektenschutz-Versprechen im neuen Koalitionsvertrag, müssen sie dem geplanten EU-Freilandverbot für drei Neonikotinoide zustimmen, wie wir es in unserem Antrag fordern“, kommentierte es Harald Ebner Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik von Bündnis 90/Die Grünen. 

Auch Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament und Mitglied im EU-Umweltausschuss, meint, dass sich die Industrie von dieser Stoffklasse ein für alle Mal verabschieden solle. „Es reicht nicht aus, nur die eine oder andere Anwendung zu untersagen. Der Hinweis der Efsa, dass nicht nur Nektar, Pollen und bei der Saat entstehender Staub als Quelle für die fatale Wirkung auf Bienen verantwortlich sind, sondern auch Wasser, das Insekten von den Pflanzen aufnehmen, zeigt das Spektrum. Damit reicht es eben nicht, die Beschränkungen auf die Blühzeit zu fokussieren." Der Report verdeutliche den Handlungsdruck, so Corinna Hölzel, Pestizid-Expertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. "Wir brauchen ein Verbot der für die Bienen gefährlichen Pestizide und zwar sofort.“

Bayer betont Widerspruch zu anderen Studien

Bayer zeigte sich mit den Ergebnissen der EFSA-Risikobewertung für die Wirkstoffe Imidacloprid und Clothianidin grundsätzlich nicht einverstanden. Die Schlussfolgerungen der EFSA stünden im Widerspruch zu anderen umfassenden wissenschaftlichen Beurteilungen zur Bienengesundheit, wie beispielsweise durch die US-amerikanische Umweltbehörde EPA und die kanadische Aufsichtsbehörde für Pflanzenschutzmittel (PMRA). "Deren Risikobeurteilungen haben schlüssig gezeigt, dass Neonikotinoide von Landwirten zum Schutz ihrer Anbaukulturen eingesetzt werden können, ohne dass Honigbienenvölker geschädigt werden", so Bayer in einer Mitteilung. 

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