Netzausbau

Landwirte verlangen Entschädigung


Bernhard Conzen, Präsident Rheinischer Landwirtschafts-Verband (RLV), bittet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier darum, die Landwirte beim Netzausbau nicht zu vergessen.
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Bernhard Conzen, Präsident Rheinischer Landwirtschafts-Verband (RLV), bittet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier darum, die Landwirte beim Netzausbau nicht zu vergessen.

Landwirte sind vom beschleunigten Netzausbau besonders betroffen. Auf der Sommerreise von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kommt es zu Protesten.

Der Netzausbau in Deutschland stockt gewaltig. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier setzt sich persönlich für einen schnellern Ausbau ein. Er besucht auf seiner Sommerreise in dieser Woche Regionen in Westdeutschland, wo es besonders hakt. Beim Besuch eines Umspannwerk der Betreibergesellschaft Amprion in Sechtem im Rheinland protestierten Landwirte. „Wir wollen den Netzausbau nicht verhindern“, begrüsste Bernhard Conzen, Präsident des rheinischen Landwirtschaftsverbandes RLV), den Bundeswirtschaftsminister. Denn die Landwirte produzieren selbst Strom aus Biogas, Wind und Sonne und tragen zum Gelingen der Energiewende bei.

Conzen fordert 10 €/Meter

Doch sei es ungerecht, den Landwirten nur einmalig die Flächen für den Leitungsbau zu entschädigen. Denn die Feldarbeit werde durch die Masten und durch Wartungsarbeiten ständig beeinträchtigt. Conzen fordert eine jährliche Vergütung für die Leitungen. Vorstellbar wären 10 €/laufenden Meter Erdkabel oder eine bestimmte Summe für den Mastplatz. Es könne nicht sein, dass die Betreiber für den Leitungsbau eine hohe Rendite von bis zu 9 Prozent erzielten und die Landwirte leer ausgingen. Die Betreibergesellschaften lehnen eine solche Forderung entschieden ab.

Landwirte sind doppelt betroffen

An der Übergabestation von Erdkabel in Borken (Westfalen) erwartete der Kreislandwirt Ludger Schulze Beiering den Minister. Er setzte der Forderung von Conzen noch eins drauf und machte auf den Flächenverlust durch den naturschutzrechtlichen Ausgleich aufmerksam. Dadurch seien Landwirte vom Netzausbau doppelt betroffen. Zum einen würden Flächen für den Mastbau benötigt, zum anderen müssten die Betreiber Ausgleichsflächen nachweisen. Diese Kompensation sei teilweise um das 5-fache höher als der Verlust von Ackerland für den Mastbau. 

Altmaier zeigte Verständnis für die Sorgen der Landwirte. Nur wenn wir Gerechtigkeit herstellen, komme es in der Bevölkerung zu mehr Akzeptanz für den Netzausbau, sagte er in Borken. Er will sich für eine Änderung der Kompensationsverordnung einsetzen. Doch müssten dafür auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze sowie die Landesregierungen mitmachen. Den Landwirten wäre schon geholfen, wenn die Kompensationsverordnung dahingehend geändert werde, dass für gesellschaftlich gewollte Projekte wie die Energiewende keine Ausgleichsflächen benötigt würden. Kritisch sieht Altmaier jährliche Entschädigungen. Hier macht er darauf aufmerksam, dass diese Zahlungen für alte und neue Leitungen gelten müssten. Mit den Entschädigungen würden die Netzausbaukosten weiter steigen, was am Ende der Verbraucher bezahlen müsste.

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