Neue Leitsätze

Aus für vegane Steaks


Wurst aus Fleischersatz soll den deutlich sichtbaren Zusatz "vegetarisch" oder "vegan" auf der Verpackung tragen.
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Wurst aus Fleischersatz soll den deutlich sichtbaren Zusatz "vegetarisch" oder "vegan" auf der Verpackung tragen.

Zwei Jahre Arbeit haben ein Ende: Am Donnerstag hat die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel veröffentlicht.

Mit den Leitsätzen reagiert die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) auf Kritik an veganen oder vegetarischen Fleischersatzprodukten wie Würsten oder Schnitzeln, die im Kühlregal auf den ersten Blick nicht von den fleischhaltigen Originalen zu unterscheiden sind. Die Bezeichnungen für die Fleischersatzprodukte  seien bislang oft die gleichen wie für das Original aus oder mit Fleisch oder Fisch, stellt das BMEL fest. Das sorge für Unklarheiten und Fragen sowohl bei „Fleischliebhabern“ als auch bei Veganern und Vegetariern.

Diese Irritationen hat die DLMBK nun zu Anlass genommen, Leitsätze zu definieren. Als Faustregel gilt dabei: Je enger sich vegane und vegetarische Lebensmittel an ihre tierischen Vergleichsprodukte anlehnen, desto ähnlicher müssen sie diesen sein. Die Leitsätze erläutern daher neben der Herstellungsweise und Beschaffenheit auch die Bezeichnung.

Schnitzel bleibt erlaubt, Steak wird verboten

Das wirkt sich laut BMEL auch auf Lebensmittel aus, die schon länger am Markt sind. „Bezeichnungen, die sich auf gewachsene Fleischteile beziehen, zum Beispiel Filet oder Steak, sind bei fleischlosen Produkten unüblich“, so das Ministerium. Weiterhin „üblich“ bleiben Bezeichnungen von geschnittenen Fleischteilen und zerkleinertem Fleisch für vegane und vegetarische Lebensmittel, zum Beispiel Schnitzel oder Gulasch. Zusätzlich ist bei solchen Lebensmitteln an gut sichtbarer Stelle ein Hinweis wie „vegetarisch“ oder „vegan“ und die maßgebliche ersetzende Zutat vermerkt. 

Der ehemalige Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte die nachrichtenarme Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr im Jahr 2016 genutzt, um sich mit dem Vorstoß zu profilieren, „irreführende“ Produktbezeichnungen wie „vegetarisches Schnitzel“ oder „vegane Currywurst“ verbieten zu wollen. Damit konnte er sich nicht durchsetzen - denn zerkleinerte Fleischprodukte oder Erzeugnisse aus Fleischteilen dürfen weiter ihre Bezeichnung tragen. Ein Exklusivrecht in der Namensführung erhalten ja nur weitestgehend naturbelassene Erzeugnisse wie Filet oder Steak.

Seine Nachfolgerin im Amt, Julia Klöckner (CDU), will nun zwei Jahre später mit dem selben Thema punkten, allerdings weniger aufgeregt in der Tonalität: „Die neuen Leitsätze geben den Verbrauchern einen echten Mehrwert. Mehr noch: Deutschland nimmt damit in Europa eine Vorreiterrolle ein, was die Aufmachung und Bezeichnung von veganen und vegetarischen Lebensmitteln betrifft“, teilte Klöckner am Donnerstag mit.

 

Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission

Die DLMBK ist dem Bundesagrarministerium zugeordnet und setzt sich aus 32 Mitgliedern zusammen. Diese kommen aus den vier Expertengruppen Verbraucherschaft, Lebensmittelüberwachung, Wirtschaft und Wissenschaft. Diese Experten erarbeiten Leitsätze zur Kennzeichnung und Beschaffenheit von Lebensmitteln aus verschiedenen Kategorien wie etwa Feinkost, Fleisch und Fleischerzeugnisse, Fisch oder Getreideerzeugnisse. Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs sind nicht rechtsverbindlich, sondern haben den Charakter sachverständiger Gutachten.

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