Neue Medien

Landwirte in die Talkshows

Volles Haus bei dem Agrarblogger-Camp in Frankfurt
Foto: kbo
Volles Haus bei dem Agrarblogger-Camp in Frankfurt

Rund 90 "Agrarblogger" trafen sich für zwei Tage in der Frankfurter DLG-Zentrale. Neben Workshops zu Twitter, Video und Facebook ging es auch um ein gegenseitiges Mutmachen.

Agrarblogger gehen eines der großen Probleme der Landwirtschaft an: Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. In der Zeit von Filterblasen, Social Media und Shitstorms gibt es zwei große Probleme: Durch die Filter produzieren Agrarblogger vor allem für sich selbst und nicht für die große Gesellschaft. Und radikale Interessensgruppen können die Öffentlichkeitsarbeit mit verhältnismäßig kleinen, aber sehr wirkungsvollen Gegenaktionen sabotieren. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion berichteten die Blogger über ihre Erfahrungen. Wie die einer Milchproduzentin aus Norddeutschland, die ein Foto von einem Milch trinkenden Kalb neben einer Kuh auf Facebook postet und sich plötzlich in einem massiven Shitstorm von radikalen Veganern wiederfand. Sie beschrieb, wie emotional belastend es war, von wildfremden Leuten auf sehr persönliche Art  und Weise angefeindet zu werden. Daraufhin produzierten Freunde und Helfer der Bäuerin ein höchst emotionales Video über den Vorfall. Der Kurzfilm wurde reichlich geteilt – doch nur im näheren Umfeld. Im Internet blieb es weitgehend unbeachtet. Warum? Wegen des Social-Media-Äquivalents der Frage ‚Wen interessiert‘s?‘, der Filterblase.

Agrar-Poesie fürs große Publikum

Im Plenum diskutierten die Teilnehmer der gut besuchten Veranstaltung, wie man aus der Filterblase ausbrechen und ein breiteres Publikum erreichen könnte. Medientrainer Prof. Dr. Matthias Michael, einer der Referenten des Tages, beschwor die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen Medien. „Dort bildet sich Deutschlands Meinung. Deswegen müssen nicht die Funktionäre von Verbänden, sondern echte Landwirte in Talkshows.“ Eine weitere Teilnehmerin schlug vor, die Künstler des „Agrarslams“ bei echten Poetryslams auftreten zu lassen, denn dort säße es das große Publikum.

Ein weiterer Weg raus aus der Blase ist nach Meinung des Onlineexperten der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, Rainer Winter, die Kooperation, beispielsweise mit Food Bloggern, die näher an Verbrauchern dran seien. Auch stehe nach diesem zweiten Agrarblogger-Treffen weiteres Netzwerken auf dem Programm. Für November ist im Vorfeld der Messe Eurotier in Hannover das "World Twitter Farmers Meeting" geplant. 

 

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