Neuseeland

Agrarsektor kritisiert neuseeländische Klimaschutzziele


Neuseeland peilt Klimaneutralität an, der Milchsektor warnt vor zu ambitionierten Zielen.
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Neuseeland peilt Klimaneutralität an, der Milchsektor warnt vor zu ambitionierten Zielen.

Neuseeland will bis 2050 klimaneutral sein. Die Agrarwirtschaft befürchtet einen Bestandsabbau in der Tierhaltung. Außerdem lägen die Ziele über den wissenschaftlichen Empfehlungen.

Um in 30 Jahren Klimaneutralität hergestellt zu haben, diskutiert das neuseeländische Parlament momentan drastische Maßnahmen. Vorgesehen ist, den fossilen CO2-Ausstoß auf Nettonull zu senken. Für die landwirtschaftlichen Methanemissionen wird, ausgehend vom Jahr 2017, bis 2030 eine Reduktion von 10 Prozent und bis 2050 eine noch festzulegende Senkung zwischen 24 und 47 Prozent vorgeschrieben, meldet Agra Europe.

Technologien würden fehlen

Während das Ziel der Klimaneutralität bei Kohlendioxid parteiübergreifend weitgehend akzeptiert und auch von der Landwirtschaft mitgetragen wird, stoßen andere Teile des Gesetzes, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll, auf Kritik. Der Landwirtschaft und der oppositionellen Nationalpartei ist insbesondere das Ausmaß der Senkung von Methanemissionen ein Dorn im Auge. Der Vizepräsident des neuseeländischen Bauernverbandes, Andrew Hoggard, merkte an, dass mit der Methanreduktion und der zusätzlich geforderten Senkung der Lachgasemissionen auf Null die Landwirtschaft gezwungen sei, die Produktion herunterzufahren und Tierbestände abzuschaffen, denn es gebe „keine magischen Technologien“, um diese Ziele zu erreichen. Er verwies auf den bereits geleisteten Beitrag der Farmer. Es dürfe keine Benachteiligung der Landwirtschaft geben, die zu einer Aufgabe der Weidewirtschaft führe, so Hoggard.

Milch als wichtiges Exportgut gefährdet

Kritisiert wird vor allem die Höhe der Reduktionsvorgaben. Dem Wissenschaftler Prof. Myles Allen von der Universität Oxford zufolge sei eine jährliche Reduktion um 0,3 Prozent nötig, um einen zusätzlichen wärmenden Einfluss zu verhindern. Das würde einer Verringerung um 10 Prozent in 30 und nicht in zehn Jahren entsprechen. Auch der Geschäftsführer des neuseeländischen Milcherzeugerverbandes DairyNZ, Tim Mackle, kritisiert die Methan-Ziele. Die Einsparung von Methan bis zu 47 Prozent basiere auf globalen Szenarien, die nicht zu Neuseeland passten und über wissenschaftliche Empfehlungen hinausgingen. Falls über das wissenschaftlich fundierte Ziel hinausgeschossen werde, würde die Produktion an Orte mit höheren Emissionen verlagert werden, merkte der Molkereiverband DCANZ an. Das führe weltweit zu mehr Methan.
Milchausfuhren machen etwa 20 Prozent der neuseeländischen Exporterlöse aus.

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