Niedersachsen

Nitratbericht befeuert Düngedebatte


Zuviel Nitrat im Grundwasser ist und bleibt für die Landwirtschaft ein Problem. Der heute veröffentlichte niedersächsische Nährstoffbericht gibt keine Entwarnung.

Als kleine Schritte in die richtige Richtung, kommentierte am heutigen Mittwoch, Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) die Ergebnisse des aktuellen Nährstoffberichts 2018. Demnach überschreiten wie im Vorjahr unverändert sieben Landkreise in Niedersachsen die Obergrenzen für Stickstoff von 170 kgN/ha und fünf für Phosphat in Höhe von 18 kg P2O5/ha - einer mehr als vor einem Jahr.  „Wir müssen alle Anstrengungen für den Wasserschutz verstärken", betonte Otte-Kinast. Problemfälle seien zu lokalisieren, um dort gezielt anzusetzen.

Überdüngung immer noch enorm

Zwischen Mitte 2017 und Mitte 2018 fielen rund 50.000 t Stickstoff mehr an, als Pflanzen zur Düngung gebraucht hätten. Im Vorgängerbericht waren es noch 68.000 t an Überschuss. Der Phosphatüberschuss ist hingegen weiter angestiegen - von 2.900 t auf 6.600 t P2O5. Beim künftig geltenden Kontrollwert von 10 kg P205 würde die Zahl der Landkreise, die die Vorgabe nicht einhalten, auf sechs ansteigen.

Die wichtigsten Ergebnisse
Mit dem sechsten Nährstoffbericht 2018 wird erstmals aufgezeigt, was im Jahr eins nach der novellierten Düngeverordnung in Niedersachsen passiert ist. Es gelten die Richtwerte beim Nährstoffanfall und bei der Bestimmung des Düngebedarfs der Düngeverordnung vom 26. Mai 2017.

Im Auswertungszeitraum vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018 wurden rund 176.000 Einzelmeldungen zur Abgabe von Wirtschaftsdünger und Gärreste erfasst. Die wichtigsten Ergebnisse 2017/18 im Vergleich zu 2016/17: 

- Rückgang Gärreste um 1,6 Mio. t

- Rückgang Schweinegülle um 600.000 t

- Rückgang der Exporte von Wirtschaftsdüngern und Gärresten aus der Region Weser-Ems

- Rückgang Schweinebestände um 73.000 Tiere oder 1 Prozent

- Rückgang Rinder um 27.000 Tiere oder 0,7 Prozent

- Anstieg Geflügelbestände um 394.000 Tiere oder plus 1 Prozent

- Sieben Landkreise (unverändert) überschreiten die 170 kgN/ha-Grenze aus Wirtschaftsdüngern und Gärresten: Grafschaft Bentheim, Emsland, Cloppenburg, Ammerland, Oldenburg, Vechta und Rotenburg/Wümme

- Fünf Landkreise (plus 1) überschreiten den Kontrollwert von 18 kg P2O5/ha: Grafschaft Bentheim, Emsland, Cloppenburg, Oldenburg und Vechta 

Die in der aktuellen Düngeverordnung vorgeschriebene Ausweisung von nitrat- und phosphatsensiblen Gebieten erfolgt in Abstimmung mit dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium. Laut Otte-Kinast wurde bereits eine erste Binnendifferenzierung für rund 38 Prozent der Landesfläche entwickelt. Für diese "roten Gebiete" muss die Landesregierung bis Juni 2019 laut Düngeverordnung weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Nitratbelastung vorlegen. Dazu wurde in Niedersachsen die Datenbank „ENNI" (Elektronische Nährstoffmeldungen Niedersachsen) angelegt. Sie erfasst die Düngebedarfsermittlungen und Nährstoffvergleiche flächendeckend. Auf dieser Grundlage werden gezielte Vor-Ort-Kontrollen und Sanktionen durch die Düngebehörde möglich.

Weniger Mineraldünger verkauft

Kaum zur Freude des Agrarhandels weist der Nährstoffbericht einen Rückgang beim Absatz von stickstoffhaltigen Mineraldüngern aus. Der Absatz ist im Berichtsjahr um 45.000 t auf 250.000 t N gegenüber 2016/17 gesunken. Der Verkauf von Phosphatdünger ist um 6.300 auf 23.700 P2O5 zurückgegangen. Ursache können sowohl die Vorgaben der Düngeverordnung oder auch die extreme Witterung sein.

Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke appelliert an die Landwirte in den Regionen, in denen die Nährstoffüberschüsse zu hoch ausfallen. „Landwirte mit vielen Nutztieren und Biogasanlagen müssen sich offensiver ihrer Verantwortung für sauberes Grundwasser und eine intakte Umwelt bewusst werden und die ordnungsgemäße Verwertung der Nährstoffe sicherstellen." Dazu zähle der pflanzengerechte Nährstoffeinsatz auf eigenen Flächen, aber auch die Abgabe an Ackerbaubetriebe ohne eigenen Wirtschaftsdünger. Der Transport von Gülle an Betriebe in Ackerbauregionen habe durch die Auflagen der Düngeverordnung 2017 einen Rückschlag erlitten. Ackerbauer meiden in ihrer Bilanz weniger effiziente Wirtschaftsdünger. Diesen sinnvollen Weg einer überregionalen Kreislaufwirtschaft könne die Politik wiederbeleben, sagt Schulte to Brinke.

Greenpeace fordert Reduktion der Tierzahlen

Die Überdüngung von rund 50.000 t Stickstoff ist für Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann als ein massives Problem in den niedersächsischen Veredlungsgebieten. Die Umweltschutzorganisation plädiert wie die EU-Kommission auf Obergrenzen für die Düngung in den besonders belasteten Gebieten sowie strengere Kontrollen. Langfristig führe an der Reduktion der Tierzahlen in diesen Regionen kein Weg vorbei, so Zimmermann.

Rainer Spiering, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion greift in seinem Statement zum Nitratbericht direkt den Deutsche Bauernverband (DBV) an. Der DBV würde gegen eine notwendige Anpassung des Düngerechts polemisieren. „Wer von der EU und vom deutschen Staat jedes Jahr über 12 Milliarden Euro bekommt, sollte sehen, auf welchen Ast man sitzt. Sie erweisen dem Berufsstand einen Bärendienst", so Spiering. Er verweist auf das SPD-Positionspapier, in dem steht, dass Deutschland zu einer flächengebundenen Tierhaltung zurückkommen, emissionsarme Technik genutzt und Wirtschaftsdünger direkt eingeareitet werden muss. Alle betroffenen Behörden und EU-Länder sollten ihre Daten miteinander abgleichen können.

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