Nitratbericht in NRW

Schulze Föcking definiert Nitrat-Risikogebiete


Agrarministerin Christina Schulze Föcking (CDU) setzt sich für eine bessere Verwertung von Wirtschaftsdünger und für weniger Mineraldünger in NRW ein. In vielen Gebieten ist das Grundwasser noch belastet.

Der Transport von Gülle aus viehintensiven Regionen in Ackerbauregionen hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass in NRW kein Landkreis über dem nach alter Düngeverordnung zulässigen Wert von 170 kg Stickstoff (N) tierischer Herkunft/ha liegt. Diese gute Nachricht hatte heute Dr. Martin Berges, Direktor der Landwirtschaftskammer NRW und Landesbeauftragter für das Düngerecht parat. Zusammen mit Agrarministerin Christina Schulze Föcking (CDU) stellte er den aktuellen Nitratbericht in NRW vor.

Insgesamt sei die Nitratbelastung des Grundwassers in der Gesamtheit der Messstellen in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahrzehnt leicht zurückgegangen. "Allerdings haben wir nach wie vor Gebiete, in denen die Nitratgrenzwerte im Grundwasser überschritten werden", sagte Schulze Föcking. Abhilfe soll die neue Düngverordnung schaffen. Der Bund schätzt die Einsparpotenziale auf circa 17 kgN/ha.

Sonderauflagen für Risikogebiete

In den Risikogebieten hat das Agrarministerium die Regeln zur Düngverordnung um weitergehende Maßnahmen ergänzt. So sei im Rahmen einer Landesverordnung geplant, die Sperrzeit bei der Ausbringung auf Grünland zu verlängern und Landwirte zu verpflichten, eigenen Wirtschaftsdünger vor der Ausbringung auf deren Nährstoffgehalt hin zu untersuchen und die Einarbeitungszeit von aufgebrachter Gülle in den Boden grundsätzlich auf eine Stunde zu begrenzen.

Freiwillige Branchenlösungen

Derzeit führt Schulze Föcking Gespräche mit den Branchenverbänden mit dem Ziel einer freiwilligen, aber verbindlichen Vereinbarung. Dabei sollen mögliche Widerstände und Finanzierungsnotwendigkeiten für entsprechende Ansätze ermittelt und aufgelöst werden, um eine pilothafte Umsetzung in Modellregionen zu ermöglichen. Dass Kooperation besser und effektiver ist als Ordnungsrecht zeigt das Beispiel der Wasserkooperationen zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft. In Nordrhein-Westfalen arbeiten 11.600 Landwirte und Gärtner in 114 Kooperationen mit 160 Wasserversorgungsunternehmen zusammen. Die Kooperationen werden von mehr als 60 Spezialberatern der Landwirtschaftskammer beraten, die von den Wasserversorgern und vom Land finanziert werden.

Auch durch den Einsatz moderner Ausbringungstechnik, die das Land fördert, könne ebenfalls der Verlust von Ammoniak gemindert werden. Auch hierdurch können mineralische Düngemittel eingespart werden, erläuterte Berges. Eine geeignete Lagerung von Wirtschaftsdünger oder eine möglichst effiziente Fütterung werden ebenso genannt, um Nährstoffverluste in die Umwelt zu vermeiden und klimawirksame Methan- und Lachgasemissionen zu reduzieren. In Haus Düsse, dem Versuchs- und Bildungszentrum der Landwirtschaftskammer, laufen derzeit Versuche zu extrem eiweiß- und phosphorreduzierter Ernährung von Mastschweinen.

Ziel müsse es sein, Wirtschaftsdünger im Idealfall direkt vor Ort zu verwerten oder ihn speicher- und transportfähig zu machen, um ihn leichter dorthin bringen zu können, wo die Böden ihn benötigen, so die Agrarministerin. So unterstützt das Land die zentrale Nährstoffbörse, fördert die Erforschung von Mini-Biogasanlagen oder neue Techniken zur Aufbereitung der Gülle.
Im münsterländischen Velen entsteht eine der modernsten Aufbereitungsanlagen in Europa: Gülle wird in feste und flüssige Bestandteile getrennt und zu handelsfähigen Düngemitteln aufbereitet. Dadurch wird sie geruchsneutral, ist leichter zu transportieren und besser zu dosieren. Die Nährstoffe bleiben enthalten. Die Eröffnung der Anlage ist für Herbst 2018 geplant.

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