Nutztierstrategie

Gesamtkonzept statt Kuhhandel


Der VEZG-Vorsitzende Matthias Frieß mahnt die Politik zu konstruktiven Maßnahmen.
Foto: VEZG
Der VEZG-Vorsitzende Matthias Frieß mahnt die Politik zu konstruktiven Maßnahmen.

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor einem gravierenden Anpassungsdruck, mahnt die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG). Aus ihrer Sicht fehlt zur Lösung der Probleme ein schlüssiges Gesamtkonzept. Das staatliche Tierwohllabel sieht die VEZG kritisch.

Verbesserungen beim Tierschutz und Anpassungen an den Klimawandel bei gleichzeitig zunehemendem ökonomischen Druck aufgrund der Globalisierung stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen, heißt es in einem aktuellen Positionspapier des VEZG-Vorsitzenden Matthias Frieß. Aus Sicht der Praxis können die Probleme nur durch ein schlüssiges Gesamtkonzept gelöst werden.

Sorge um Mercosur-Abkommen

Statt eines "politischen Kuhhandels einzelner Parteistrategen" sei nunmehr eine gesamtgesellschaftlich abgestimmte Nutztierstrategie notwendig, so Frieß. Stattdessen werde die Landwirtschaft zum Spielball und zur Verhandlungsmasse von globalen und nationalen Interessen gemacht, beklagt der VEZG-Vorsitzende. So werde beispielsweise durch das geplante Mercosur-Abkommen mit der EU und das Rindfleischabkommen mit den USA das notwendige Vertrauen zerstört um in Deutschland weiter Landwirtschaft zu betreiben zu können, ist Frieß überzeugt. "Sandkastenspiele" zweier Ministerien, wie sie sich derzeit beim "Kuhhandel" zum staatlichen Tierwohllabel abzeichneten, seien in diesem Zusammenhang völlig kontraproduktiv, findet er deutliche Worte.

Mit dem angesprochenen Kuhhandel spielt die VEZG offenbar auf Mutmaßungen an, dass das Bundesagrarministerium (BMEL) und das Bundesumweltministerium (BMU) hinter den Kulissen über Zugeständnisse bei der Umschichtung von Direktzahlungen in die 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und beim Aktionsprogramm Insektenschutz im Gegenzug für eine Zustimmung des BMU zu dem geplanten staatlichen Tierwohl-Label sprechen. Offiziell werden diese Mutmaßungen dementiert.

Tierwohl zur Chefsache machen

Die Zuständigkeiten in Sachen Tierwohl müssen eindeutig beim BMEL angesiedelt bleiben, fordert in dem Zusammenhang der VEZG-Vorsitzende. Die mittlerweile deutlich über dem EU-Standard liegenden deutschen Produktionsvorgaben könnten nur dann am Markt erfolgreich umgesetzt werden, wenn die Politik eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für Fleisch durchsetzt, argumentiert Frieß. Wenn das BMEL nicht in der Lage sei dieses zu garantieren, müsse es zur Chefsache werden. Der Staat solle sich dabei darauf beschränken, Rahmenbedingungen zu setzen. Für die Detailausführung sollten die Wirtschaftsbeteiligten verantwortlich sein.

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