Fernverwehungen sind zu vermeiden
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Fernverwehungen sind zu vermeiden

Mit einer gut geplanten Kampagne gehen jetzt Öko-Anbauer in die Offensive gegen Pflanzenschutzmittel. Der Industrieverband Agrar (IVA) will nicht auf die Vorwürfe reagieren. "Wir begeben uns nicht in Clinch mit Bioland", so die Reaktion auf Nachfrage der agrarzeitung (az). Die BASF weist aber darauf hin, dass sie an Formulierungen arbeitet, die den Wirkstoff Pendimethalin verkapseln und die Freisetzung verzögern. Die sei mit Stomp Aqua gelungen. Außerdem seien die Etiketten in Überarbeitung, damit es bei einer verantwortungsbewussten Anwendung keinesfalls zu Belastungen auf benachbarten Gemüsefeldern kommt.

Schon lange weisen Öko-Verbände darauf hin, dass Wirkstoffe durch Abdrift auf Öko-Flächen gelangen und dort als Rückstände gefunden werden können. Aus diesem Grund lehnt die Öko-Branche auch geschlossen in der Revision der EU-Öko-Verordnung ab, dass sich Öko-Produkte durch völlige Rückstandsfreiheit auszeichnen sollen. Zudem erheben die Verbände immer wieder die Forderung nach einer Pestizidabgabe.

Nun wird es aber konkret und es geht um mehr als Abdrift: Die Herbizidwirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb sind auf ökologisch erzeugtem Fenchel des Bio-Hofs Wilmersdorf inmitten des Biosphärenreservats Chorin-Schorfheide gefunden worden. Die Höhe der Rückstände machte die geplante Vermarktung als Babynahrung unmöglich.

Eine daraufhin vom Brandenburger Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) in Auftrag gegebene Studie weist nach, dass die beiden Wirkstoffe nach der Ausbringung von Thermik und Wind weiträumig transportiert wurden. Nicht nur im Fenchel, sondern auch in Grünkohlproben aus der Region fand das LUGV Rückstände der beiden Wirkstoffe. „Auf unserem Schaden bleiben wir sitzen, weil der Verursacher des Pestizideintrages bei einer Fernverwehung nicht festgestellt werden kann. Das empfinden wir als schweren Eingriff in die Berufsausübung als Landwirte“, so die Fenchelanbauer Tina Boeckmann und Stefan Palme.

Jan Plagge Präsident vom Bioland-Bundesverband fordert nun: „Leichtflüchtige Pestizide, die Bio-Ware über Ferntransport belasten, müssen umgehend verboten werden.“ Und: „Die Kriterien für die Zulassung müssen verschärft werden.“ Außerdem müsse wieder ein umfassendes Monitoring von Pestizidwirkstoffen in der Luft stattfinden. Dies sei 2003 an Luftmessstationen des Bundes und der Länder eingestellt worden, kritisiert er.

Tageszeitungen, denen die Ergebnisse vorab bekannt gemacht wurden, weisen zudem darauf hin, dass die Problematik der Fernverwehungen bekannt gewesen sei. Damit die Gemüse dennoch als Babynahrung verwendet werden konnten, habe die EU die Grenzwerte heraufgesetzt.

Pendimethalin ist in den Produkten Activus, Activus SC, Innoprotect, Malibu, Picona, Stomp Aqua, Stomp Raps und Trinity enthalten. Prosulfocarb ist der Wirkstoff in Boxer und Filon. (brs)
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