Ökolandbau

Experimentierfeld Fruchtfolge

Moritz Reimer überprüft den Zustand seiner Felder.
Foto: sro
Moritz Reimer überprüft den Zustand seiner Felder.

Moritz Reimer aus Hornburg in Niedersachsen ist überzeugter Biobauer. Auf seinem Betrieb probiert er viel aus, insbesondere bei den Fruchtfolgen.

Auch der Pflugverzicht und immer weniger Regen fordern ihn und sein Betriebsmanagement heraus. Reimer ist der Überzeugung, dass der Ökolandbau der erste Schritt zu einer nachhaltigen Landwirtschaft ist. Denn die Bodenqualität leide unter konventionellen, aber auch ökologischen Techniken. "Wir greifen viel zu sehr in den Boden ein, gerade durch mechanische Unkrautregulierung", sagt er und will deswegen so oft wie möglich auf den Pflug verzichten. Es wird schwierig, doch er ist überzeugt, dass er es auf seinem 315 ha großen Betrieb schaffen kann. Wie er es am Ende umsetzt, weiß Reimer bisher noch nicht. "Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher und den Pflug rauslassen. So funktioniert Ökolandbau nicht", erklärt er. "Wenn ich das Ziel des Systems ändere, dann muss ich natürlich auch die gesamte Bewirtschaftung ändern. Und wir finden gerade heraus, wie das gehen kann."

Stete Variation der Fruchtfolgen

Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Eine große Rolle spielt die Fruchtfolge. "Mir hat mal ein erfahrener Biobauer gesagt, Fruchtfolgen seien was für Anfänger", erinnert er sich. Stattdessen probiert Reimer kontinuierlich neue Folgen aus. Lediglich einige Grundsätze beherzt er: Auf Winterung folgt eine Sommerung, auf eine Blatt- eine Halmfrucht. "Je krasser der Gegensatz ist, desto besser funktioniert es. Nach Weizen baue ich beispielsweise Zuckerrüben an", erklärt Reimer. Außerdem sind immer mindestens 20 Prozent Leguminosen dabei.

Reimer leitet den Betrieb in der vierten Generation. Bereits seine Mutter stellte auf Bio um. Von Anfang an war klar, dass die Biobestimmungen der EU nicht weit genug gehen. Einfach nur von chemischem Dünger und Unkrautvernichtungsmitteln die Finger zu lassen, reicht nicht aus. "EU-Bio ist nicht zu Ende gedacht", meint der Familienvater. Damals war er gegen die Entscheidung, doch heute ist er sehr dankbar für die Umstellung. Zur Auswahl standen zu Beginn Naturland, Demeter und Bioland. Auf dem Stiftsgut Hornburg war man eher realistisch eingestellt: "Naturland schreibt sich auf die Fahne, der wissenschaftlichere Verband zu sein. Das hat zu uns gepasst", erinnert sich der heutige Betriebsleiter. Mit der Verbandswahl musste auch eine lange Reihe sehr strikter Regeln und Vorschriften etwa zur nachhaltigen Wassernutzung eingehalten werden. Auch der Mindestanteil von Hauptfrucht-Leguminosen in der Fruchtfolge ist festgelegt.
Stiftsgut Hornburg - Naturlandbetrieb
Fläche: 315 ha, davon 6,7 ha Dauergrünland, 58 Prozent Pachtanteil
Niederschlagsmenge: jährlich ca. 600 mm
Anbau:
25% Weizen, davon 63 % Futter, 26 % Brotweizen, 11 % Saatgutvermehrung
17 % Luzern-Klee-Gras
12 % Erbsen-Gemenge
9 % Körnermais
7 % Zuckerrüben
5 % Hanf
4 % Wintergerste
4 % Dinkel
17 % Senf, Grassamenvermehrung, Hafer, Leindotter, Raps, Blühstreifen

Auf rund einem Viertel seiner Felder baut er Weizen an. Damit nimmt Weizen den größten Teil der 14 angebauten Sorten ein. Rund 5 Prozent widmet er der Hanfsorte USO31. Sie wird bis zu vier Meter hoch und vereint guten Faser- mit Kornertrag. Die Körner verkauft er an eine Bio-Ölmühle. Die presst ein Cannabidiol-haltiges Speiseöl und füllt es in Flaschen, auf denen ein Bild des jeweiligen Landwirts prangt. Von den 315 ha des Betriebs sind 200 ha gepachtet. Der Betrieb liegt am Rand des großen Bruchs, Deutschlands größtem basischen Moorgebiet. Untypischerweise sind die Böden hier jedoch nicht sauer, sondern basisch. Reimer testet dort den Anbau von Mais und Grasland. Auch Hanf wächst dort sehr gut. Die Flächen umfassen so ziemlich jede Bodenart – außer Sand.

Anbau im Wasserschutzgebiet

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit: Seine Felder liegen in einem Wasserschutzgebiet. Für den ökologischen Betrieb entpuppt sich die Lage als Standortvorteil. "Ich sehe das eher als Herausforderung", sagt der Betriebsleiter. "Ökologischer Landbau ist effektiver Wasserschutz. Vergleichbare konventionelle Betriebe haben immer eine schlechtere Grundwasserbilanz als wir." Nach den Regeln des Naturland-Verbandes dürfen Bauern mit natürlichen Mitteln wie Karbokalk düngen. Durch das Wasserschutzgebiet dürfen maximal 80 kg N/ha im Jahr ausgebracht werden. Für Reimer ist das kein Problem. "Es gibt ja mehr als genügend Alternativen zu Kunstdünger." Er kooperiert mit anderen Naturlandbetrieben und düngt mit Champost aus einer Pilzzucht oder Bullenmist aus einer Mästerei.

Regen fehlt für Qualitätssorten

Immer mehr zum Problem wird allerdings der Niederschlag.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 42/2019, Seite 17. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen

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