Die Hitze und Trockenheit haben auch in Österreich ihre Spuren hinterlassen. Die Schäden in Land- und Forstwirtschaft sollen einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen. Der Staat wird helfen.

 

Für viele Betriebe bedeutet das eine existenzielle Gefährdung, rasches Handeln war ein Gebot der Stunde. Die Bundesregierung hat daher gemeinsam mit der bäuerlichen Interessenvertretung ein Dürrehilfe-Paket geschnürt, das heute von Bundesministerin Elisabeth Köstinger, Bauernbund-Präsident Georg Strasser und Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger beim agrarpolitischen Herbstauftakt im Rahmen der Fachmesse "AgroTier" in Wels präsentiert wurde. Das berichtete das Nachrichtenportal aiz.info. Das Paket umfasst verschiedene Maßnahmen im Bereich Agrarversicherungen, Kreditstundungen sowie Maßnahmen zur Wiederaufforstung in den Wäldern. Das Gesamtvolumen des Pakets liegt bei rund 60 Mio. Euro, diese Mittel sollen zusätzlich zu den Maßnahmen, die schon bisher gesetzt wurden, bereitgestellt werden, so Köstinger.

 

Enorme Einbußen

Im heimischen Ackerbau liegen die Ernteausfälle aufgrund der extremen Trockenheit laut jüngsten Erhebungen bei 10 bis 15 Prozent, im Grünland sind es regional bis zu 40 Prozent. Nach Schätzungen der Hagelversicherung liegt der Schaden allein im Grünland bei über 300 Mio. Euro. Vielen Betrieben fehlt somit das Futter für ihre Viehbestände. Das ist ein ernsthaftes und in vielen Fällen existenzielles Problem für die Betroffenen. In der Forstwirtschaft rechnet das Ministerium mit Schäden von rund 38 Mio. Euro. Hauptbetroffen von Dürre und Trockenheit sind Betriebe in Oberösterreich, Niederösterreich, Vorarlberg und Salzburg.

Umfangreiches Paket mit kurz- und mittelfristigen Maßnahmen

"Das Dürrehilfe-Paket beinhaltet eine Reihe unterschiedlicher Maßnahmen - von der Soforthilfe bis zur Unterstützung bei Vorsorgemaßnahmen, um sich gegen Schäden dieser Art besser versichern zu können", erläuterte Köstinger. So wird die finanzielle Unterstützung für alle Elementarrisikoversicherungen von 50 Prozent auf 55 Prozent angehoben. Damit steigt der bisherige Gesamtzuschuss zu diesen Prämien von derzeit 63 Mio. auf künftig rund 75 Mio. Euro. Diese Zuschüsse teilen sich Bund und Länder.

Ein wesentlicher Punkt des Pakets ist die Einführung eines Prämiensystems für Tierausfallversicherungen. Auch hier werden Prämien mit 55 Prozent bezuschusst, der Finanzaufwand dafür liegt bei maximal 11 Mio. Euro, auch hier teilen sich Bund und Länder die Kosten.

 

Sonderkredit "Trockenheit" für Betriebe in betroffenen Regionen

Raten und Rückzahlungen für Agrarkredite können aufgrund dieser Ausnahmesituation leichter gestundet werden, die Laufzeit von Krediten kann um ein Jahr verlängert werden. Das hilft Betrieben, die aufgrund der Ausfälle und Schäden ansonsten mit ihren Zahlungen in Verzug geraten. Zusätzlich werden Agrarsonderkredite "Trockenheit" für Betriebe in betroffenen Regionen aufgelegt. Die Darlehenshöhe reicht von 5.000 bis maximal 50.000 Euro. Der Bund gewährt Zinszuschüsse zu diesen Darlehen.

Soforthilfe für besonders betroffene Tierhalter

Für besonders betroffene tierhaltende Betriebe werden zudem 20 Mio. Euro als Soforthilfe bereitgestellt. Damit soll insbesondere jenen Landwirten geholfen werden, denen infolge von Vieh-Notverkäufen der Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlage droht. Hier geht es laut Köstinger um eine möglichst exakte Abgrenzung der betroffenen Gebiete, "damit wir punktgenau helfen können und nicht nach dem Gießkannenprinzip Gelder bereitstellen". Auch hier teilen sich Bund und Länder die Kosten. Die Bundesmittel sollen über Umschichtungen innerhalb der VP-Ressorts dem BMNT zur Verfügung gestellt werden.

Unterstützung für Waldbesitzer

Durch die extrem trockene und warme Witterung ist es in den heimischen Wäldern zu einer Massenvermehrung des Borkenkäfers und einem sehr hohen Schadholzanfall gekommen. Laut Experten werden heuer die Rekordschäden des Vorjahres (3,5 Mio. Festmeter) noch übertroffen. "Wir brauchen daher ein Programm zur Wiederaufforstung unserer Wälder. Im Rahmen der Ländlichen Entwicklung werden insgesamt 20 Mio. Euro für Sofortmaßnahmen bereitgestellt", informierte Köstinger. Ziel sei es, die Wiederaufforstung in Mischwäldern voranzutreiben, denn diese Wälder seien gegen die Folgen des Klimawandels deutlich resistenter.


 

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