Offener Brief

BfR stellt im Glyphosatstreit Plagiatsjäger bloß


Das BfR schießt scharf zurück: Unnötig und voreilig sei das Ansehen einer unabhängigen, unparteilichen und gewissenhaft im Interesse der öffentlichen Gesundheit arbeitenden Einrichtung in Frage gestellt worden, heißt es in einem offenen Brief.
BfR
Das BfR schießt scharf zurück: Unnötig und voreilig sei das Ansehen einer unabhängigen, unparteilichen und gewissenhaft im Interesse der öffentlichen Gesundheit arbeitenden Einrichtung in Frage gestellt worden, heißt es in einem offenen Brief.

Blamage für österreichische „Plagiatsprüfer“. Sie hätten die "behördliche Arbeitsweise nicht verstanden" und das falsche Dokument untersucht, so die Replik des BfR auf die Täuschungs-Vorwürfe.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht sich wiederholt mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Zuletzt gab es im Europaparlament heftige Kritik an der Rolle des Institus bei der Neuzulassung von Glyphosat. Mehr als die Hälfte des BfR-Gutachtens über die Gesundheitsrisiken sei vom Hersteller abgeschrieben, erklärten dort der Salzburger Gutachter für Plagiatsprüfung, Dr. Stefan Weber, und der Wiener Dr. Helmut Burtscher-Schaden, Mitbegründer der Europäischen Bürgerinitiative „Stopp Glyphosat" und Autor des Buchs „Die Akte Glyphosat“. Darüber hinaus wird dem BfR vorgeworfen, bestimmte wissenschaftliche Studien nicht begutachtet zu haben. Die Grünen im Europaparlament hatten die beiden Herren mit einer Plagiatsuntersuchung beauftragt.


Obwohl das BfR bereits Mitte Januar unverzüglich „alle Vorwürfe von absichtlicher Täuschung“ zurückgewiesen hatte, sieht sich das Bundesinstitut genötigt, erneut zu reagieren. Und diese Antwort hat es in sich. In einem offenen Brief wirft das BfR Herrn Weber "Unkenntnis behördlichen Handelns" vor. Und das ist erst der Anfang.

Zu dem Vorwurf plagiiert zu haben, also Diebstahl geistigen Eigentums begangen zu haben, erkärt die Behörde, dass Berichte der Industrie gesetzlich vorgeschriebene Grundlagen der Bewertungsberichte seien. Der in der Kritik stehende Renewal Assessment Report (RAR) zu Glyphosat gebe demnach den geforderten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis wider. 

Ausflug in die Baubranche

Zur Verdeutlichung vergleicht die Behörde den Vorgang mit der Prüfung eines Bauantrags: Dieser werde im Baugenehmigungsverfahren gestellt und enthalte sämtliche Unterlagen, die die Behörde für ein Bauvorhaben prüfen müsse. Jede eingereichte Unterlage werde geprüft und sei dann Grundlage und dann auch Bestandteil der behördlichen Baugenehmigung, so das Erklärbeispiel der Berliner Behörde, die vor 17 Jahren von der Grünen-Politikern und damaligen Landwirtschaftsministerin Renate Künast gegründet wurde. 

Falsches Dokument untersucht

Man müsse sich schon wundern, dass sich ein sogenannter „Plagiatsjäger“ mit einem für den Zweck der Plagiatsprüfung ungeeigneten Dokument beschäftigt, so das vernichtende BfR-Urteil. "Ganz abgesehen davon, dass Sie sich mit dem RAR ohnehin den falschen Bericht vorgenommen haben. Denn eigentlich hätten Sie sich mit dem tatsächlichen Schlussdokument beschäftigen müssen, der EFSA-Conclusion", heißt es weiter in dem offenen Brief.

Insgesamt lässt die Erwiderung im Namen von Professor Dr. Reiner Wittkowski, Vizepräsident des BfR , die beiden Autoren der Plagiatsuntersuchung ziemlich blamabel dastehen. Das BfR vermutet ein einziges Ziel: Zum "Medien-Halali" zu blasen und somit dem Wunsch Ihrer zahlenden Auftraggeber zu entsprechen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Thomas Schmidt
    Erstellt 4. Februar 2019 22:03 | Permanent-Link

    Dr. Burtscher-Schaden ist in Österreich Repräsentant von der NGO Global2000 die für pestizidfreie Landwirtschaft Eintritt und dort angeblich Agrarexperte. Dass der jetzt auch Plagiatsbuchexperte ist, spricht Bände. Bei verschiedenen Diskussionen mit ihm, kam ich zu dem Schluss, dass der 2. Teil seines Namens sein Dach relativ zutreffend beschreibt.

  2. Lars Fliege
    Erstellt 5. Februar 2019 07:13 | Permanent-Link

    Gut geschrieben Katja Bongardt .-)

  3. Katja Bongardt
    Erstellt 5. Februar 2019 09:57 | Permanent-Link

    Danke :-)

stats