Onlinekommunikation

Ausbruch aus der Filterblase


In den sozialen Medien diskutieren viele Menschen über Landwirtschaft und Ernährung – meist mit Gleichgesinnten. Wie Landwirte auch mit Kritikern ins Gespräch kommen können, wurde in Vechta diskutiert.

Das Internet bietet eine Flut von Informationen und Meinungen. „Prinzipiell haben die Menschen die Möglichkeit, sich so umfassend zu informieren, wie nie zuvor“ stellt Christan Meyer vom Verbund Transformationsforschung Agrar Niedersachsen bei der Tagung „Agrarwirtschaft in der Filterblase“ am Donnerstag in Vechta fest. Dennoch neigen sie dazu, sich - wie auch im analogen Leben – mit Gleichgesinnten zu umgeben, um sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen.

Hier können Sie den Live-Mitschnitt der Veranstaltung schauen


Alexa beantwortet Fragen zur Landwirtschaft

Die Landwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Industrien nutzt das Internet, um über Ackerbau, Tierhaltung und Lebensmittelverarbeitung aufzuklären und sich mit Kritik auseinanderzusetzten. Unternehmen aus der Branche finanzieren Initiativen wie das Forum Moderne Landwirtschaft oder Land.Schafft.Werte, die das Internet als Kommunikationsmedium nutzen. Wie weit es gelingt, Menschen außerhalb der Landwirtschaft zu erreichen ist umstritten und lässt sich nicht nur schwer nachweisen. Thomas Fabry, der neben seinem Studium Filme über die Landwirtschaft produziert, sieht im Smart Speakern wie Alexa eine Möglichkeit, Verbrauchern landwirtschaftliche Themen zu erklären. Zu Fragen über die Landwirtschaft sollen deshalb Experten aus dem Agrarbereich Antworten formulieren, die von Alexa zitiert werden.

Unsachliche Kritik besser ignorieren

Landwirte, die sich selbst in den sozialen Medien präsentieren, sind häufig heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Die Tierärztin, Ferkelproduzentin und Agrarbloggerin Nadine Henke verlas einen verstörenden Kommentar, in dem ihr und ihren Mitarbeitern Gewalt angedroht wurde. Auch Agrarblogger Willi Kremer-Schillings musste ähnliche Erfahrungen machen. Er hat sich entschieden, solche Äußerungen zu ignorieren und nicht zu schreiben, „wenn einen ein Kommentar auf die Palme bringt“. Ansonsten versucht er Kritik sachlich zu begegnen, fragt welche Quellen es für Behauptungen gibt und bittet um Lösungsvorschläge. So entstehe häufig ein echter Dialog. „In der Kommunikation geht es nicht um das Gewinnen“, machte der Landwirt aus dem Rheinland klar.

Lehrer nutzen Videos im Internet

Diese sachliche Art kommt offensichtlich auch bei Nicht-Landwirten an. Besonders freut sich der Agrarblogger darüber, dass viele Lehrer seine Videos im Unterricht nutzen. Sogar ein Schulbuchverlag sei nun auf ihn zugekommen und habe ihm eine Mitarbeit angeboten. So gelingt es Bauer Willi, die Filterblase tatsächlich zu durchbrechen – wenn auch in der analogen Welt.  

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