Organisierte Kriminalität

Mafia mischt im deutschen Lebensmittelhandel mit

Europol sieht im Handel mit gefälschten Lebensmitteln einen wichtigen Sektor der organisierten Kriminalität.
Europol
Europol sieht im Handel mit gefälschten Lebensmitteln einen wichtigen Sektor der organisierten Kriminalität.

Laut der Polizeibehörde der Europäischen Union "Europol" ist die Fälschung von Lebensmitteln das zweitprofitabelste Geschäft in der EU nach dem Drogenhandel. Der Vertrieb findet offenbar auch in Deutschland statt, so die Bundesregierung.

Die sogenannte „Agro-Mafia“, sprich Organisierte Kriminalität im Handel mit Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln, treibt offenbar auch in Deutschland ihr Unwesen. Dies teilte die Bundesregierung als Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Einfluss der italienischen Mafia auf den Agrar- und Lebensmittelmarkt mit. Kriminelle Strukturen in Deutschland seien „nach hiesiger Kenntnis der italienischen Organisierten Kriminalität zurechenbar“, hat die Bundesregierung geantwortet.

Durch den Handel mit minderwertigen Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln würden durchaus „hohe Gewinne erzielt“, schreibt die Bundesregierung weiter. Zu den Umsätzen, die die Mafia womöglich in Deutschland erzielt, lägen der Bundesregierung allerdings keinerlei Erkenntnisse vor, teilt diese weiter mit. In ihrer Kleinen Anfrage gehen die Grünen mit Verweis auf  einen Bericht aus Baden-Württemberg zur Organisierten Kriminalität aus dem Jahr 2016 von rund 15 Mrd. € jährlich aus. „Die Fälschung von Lebensmitteln ist heute das zweitprofitabelste Geschäft in der EU nach dem Drogenhandel“, sagte Chris Vansteenkiste von Europol gegenüber der Financial Times.

Gefälschte Bio-Lebensmittel seien dabei der profitabelste Bereich, heißt es in einem Bericht von stern.de. Weizen aus Rumänien werde beispielsweise importiert, als Bioweizen deklariert, um so deutlich höhere Gewinne zu erzielen. Zudem schätze die italienische Polizei, dass etwa 50 Prozent aller in Italien verkauften nativen Olivenöle mit billigem Öl gepanscht wurden, schreibt stern.de.

Zusätzlich zum Handel mit gefälschten Lebensmitteln zwinge die Mafia italienische Gastronomen in Deutschland dazu, minderwertige Lebensmittel zu überteuerten Preisen einzukaufen, antwortet die Bundesregierung weiter. Darüber hinaus sollen Vertriebswege für den Handel mit Lebensmitteln auch zum Transport von Drogen benutzt  worden  sein.

Das Risiko aufzufliegen sei hingegen vergleichsweise gering, so die Bundesregierung. Sie geht von einem „großen Dunkelfeld“ bezüglich des Vertriebes von gefälschten und gepanschten Produkten aus. „Vereinzelte Erkenntnisse“ habe man sowohl in Ermittlungsverfahren als auch durch Informationen aus Italien gewonnen. Um den Vertrieb dieser Lebensmittel zu bekämpfen, wirke das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit an EU-weiten Kontrollen mit, so die Bundesregierung.

2 Kommentare

  1. Ahrend Höper
    Erstellt 9. November 2019 18:33 | Permanent-Link

    Super Artikel, sehr geehrte Frau Schirmacher. Bloß diese Tatsache ist schon ein alter Hut.
    Aus Italien wurde und wird seit über ca 15 Jahren schon soviel Bio-Sojaschrot nach Nord- Westeuropa verkauft, was den gesamten italienischen Sojaanbau um ein zigfaches übersteigt.
    Eigentlich konnte jeder, der wollte zu dieser Erkenntnis kommen, bloß wo sollte dann das dringend benötigte Protein für die Öko Tiere her kommen? Darum hüllte man sich in Schweigen. Ein Schelm, der böses dabei denkt!

  2. J.L
    Erstellt 11. November 2019 10:45 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Höper,

    Das Extraktionsverfahren ist im Biofutterbereich nicht zugelassen. Meines Wissens kaufen aber die italienischen sowie auch die großen österreichischen Händler und Verarbeiter die Bio-Bohnen großteils aus dem Osten. In der Regel wird das in 24 Big Bag (Kunststoff) a 1 to geliefert. Inklusive der Transportweise natürlich sehr ÖKO-LOGISCH.
    Ich habe auch schon gehört, dass "biodynamische" Verbände Weizen aus Kasachstan in der Big Bag Variante nach Deutschland liefern. Hier werden Sie entleert, freigeprobt und anschließend per Kipper-LKW weiter in die Schweiz gefahren.  BIO-LOGISCH mit Importlizenz.

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