Pflanzenschutz

Akademie übt Kritik an gängiger Zulassungspraxis


Die Leopoldina-Akademie der Wissenschaften hat sich mit einem Diskussionspapier für eine grundlegende Veränderung der Zulassung von Pestiziden ausgesprochen. Aus Sicht der Akademiker ist die konventionelle Landwirtschaft eine Gefahr für wichtige Ökosystemfunktionen und Lebensgrundlagen.

Die Kritik richtet sich in erster Linie an den Einsatz von Pestiziden. Die bisherigen Lösungsansätze sind ausgeschöpft, doch bestehe großer Handlungsbedarf. Die aktuelle Landwirtschaft ließe sich nicht langfristig fortführen. Die Umweltbelastung sei zu hoch, der Ertrag für viele Landwirte zu gering. Als besondere Probleme hebt das Papier die Nitratbelastung im Grundwasser, den Habitatverlust für Vögel und Insekten, die Bodenverdichtung und den Verlust der biologischen Vielfalt hervor.
Die Leopoldiner fordern einen interdisziplinären Ansatz bei der Suche nach Lösungen. Lange akzeptierte Praktiken müssten hinterfragt werden. Sowohl in der Agrar- als auch in der Chemikalienpolitik müsse ein Umdenken stattfinden.
Allerdings müssten auch globale Faktoren berücksichtigt werden. Es sei unvermeidbar, dass importierte Futtermittel nicht den lokalen Vorgaben entsprechen und möglicherweise mit problematischen und hier verbotenen Pestizidrückständen eingeführt werden.

Prüfung der Kombinationswirkung mehrerer Substanzen fehlt

Die Akademiker nahmen auch die Zulassungsmodalitäten für Umweltgifte unter die Lupe und verurteilten diese scharf. Die aktuellen Mechanismen etwa ignorierten systematisch die Kombinationswirkung zwischen mehreren Substanzen, die gleichzeitig oder nacheinander auf einen Organismus wirken. Dadurch sei die Risikobewertung unzutreffend. Der Stoff müsste auch nach der Zulassung kontinuierlich wissenschaftlich beobachtet werden und die so entstandenen Erkenntnisse in das Kontrollsystem einfließen, schlagen die Wissenschaftler vor.

„Es sollte im Interesse aller sein, Anbau und Pflanzenschutzstrategien zu erarbeiten, die langfristig ausreichende Erträge gewährleisten, ohne dabei die Umwelt nachhaltig zu schädigen“, heißt es in dem Diskussionspapier. Die Grundlage dieser Strategien sehen die Autoren in einem „konsequenten integrierten und ökologischen Pflanzenbau“. Das hieße allerdings auch, dass Pflanzengifte nur als „Ultima Ratio“ einzusetzen wären. Viel sinnvoller wäre eine standortgerechte Frucht- und Sortenwahl und die Zucht von konkurrenzstarken und gegen Schaderreger resistente Sorten.
Alle beteiligten Akteure müssten sich zusammenfinden, um eine passende Strategie zu finden. Als Basis der Verhandlung sollten Werte wie „langfristig sauberes Trinkwasser“ gelten.


Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. C. Stegelmann
    Erstellt 27. Mai 2018 12:22 | Permanent-Link

    Wenn eine Akademie in der Aussage und Diskussion fachlich belastbar als Anspruch für sich definiert und wir das auch so erwarten, dann müssen diese Beiträge auch so verfasst werden.
    Es sind mit Sicherheit nie alle Wirkstoffe der Insektizide, Herbizide, Fungizide usw. betroffen.
    Wichtig ist es dann, selektiv herauszuarbeiten, wo das Zulassungsverfahren angepasst werden muss bzw. muss sensibler die Komplexität betrachtet werden.
    Dann ist der Begriff Pestizide und Ultima Ratio nicht der richtige Ansatz, um fachlich einzusteigen und schadet nur dem Ziel auch kurzfristig etwas zu korrigieren.
    Ich vermisse auch den Hinweis, dass Forschung und Entwicklung die Richtung anderer Wirkstoffe mit Wirkung auf das Ökosystem prüft und die Zulagssverfahren das mit begleiten.
    Eine Akademie muss sich fachlich belastbar aufstellen, damit sie gehört wird.
    Dazu dienen Begriffe wir Utima Ratio, Pestizide mit Sicherheit nicht. Kurzfristig findet sie Gehör, langfristig disqualifiziert das allerdings und am Wichtigsten, es hilft nicht der Natur und dem Berufsstand, der täglich damit lebt.

stats