Pflanzenproduktion

Ohne Glyphosat kommen alte Probleme hoch


Wirtschaftliche Folgen spürt die Pflanzenschutzindustrie kaum.
ARGUS DATA INSIGHTS
Wirtschaftliche Folgen spürt die Pflanzenschutzindustrie kaum.

Das Aus für Glyphosat ist beschlossen. Damit erfüllt die Politik die Ansprüche der Gesellschaft. Das Nachsehen haben die Landwirte. Sie müssen im Anbau mit höherem Aufwand und Kosten klarkommen.

Das Verbot für Glyphosat, das in der EU noch bis Ende 2022 zugelassen ist, wird in Deutschland nach einer Aufbrauchfrist Ende 2023 greifen. Doch schon ab 2020 soll immer weniger dieses Breitbandherbizids eingesetzt werden dürfen. Mittelfristig fällt für Landwirte ein günstiges und zugleich effektives Betriebsmittel weg. Schwierige Unkräuter können dann nicht mehr ausreichend bekämpft werden. So gibt es beispielsweise gegen Verunkrautung mit Quecke vor der Aussaat keine Alternative zu Glyphosat. Die Folge: Mehrere selektive Herbizide müssen eingesetzt werden statt einem Breitbandherbizid. Das könnte den Aufwand im chemischen Pflanzenschutz sogar noch erhöhen statt senken. Außerdem werden Landwirte die mechanische Unkrautbekämpfung intensivieren.

az-Rundruf : Was bedeutet ein Glyphosat-Verbot für Sie?


Wegfall hat negative Umwelteffekte

Damit hat das Verbot, das vornehmlich auf den Schutz von fliegenden Insekten abzielt, aber auch unerwünschte Auswirkungen auf den Boden, die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben mit Käfern, Mikroorganismen, Regenwürmern und vielen anderen Bodenbewohnern. Denn bodenschonende Anbauverfahren ohne Pflug wären dann nicht mehr möglich, so die Kritik der Landwirte. „Für ein bodenschonendes Mulch- oder Direktsaatverfahren ist Glyphosat ein unverzichtbares Tool. Eine echte Alternative zu Mulchsaatverfahren gibt es nicht. Sonst wird der Pflug wieder vermehrt zum Einsatz kommen – mit höherem Energie- und Zeitaufwand und gerade in Trockengebieten mit zusätzlichem Wasserverlust“, erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes gegenüber der agrarzeitung (az). Wenn Böden intensiver mechanisch zur Unkrautbekämpfung bearbeitet werden müssen, hätte dies Landwirten und auch Vertretern der Pflanzenschutzanbieter zufolge ebenfalls negative Effekte für den Erosionsschutz und den Humusaufbau.

Anbaustruktur wird sich verändern

„Ein Verbot wäre ein absoluter Rückschritt für eine nachhaltige Landwirtschaft. Das System der konservierenden Bodenbearbeitung müsste komplett überdacht werden“, erklärt Adama-Geschäftsführer Frank Gemmer. Es hätte aber auch Folgen für die Fruchtfolge, ist Nufarm-Geschäftsführer Dr. Benedikt Cramer überzeugt: „Ein Verbot wird den Anbau bestimmter Kulturen in Deutschland unrentabel machen.“ Der Anbau von Gerste und Silomais wäre in vielen Fällen defizitär. Dies würde einen weiteren Verlust von Fruchtfolgegliedern bedeuten und den Anbau von Zwischenfrüchten zum Erosionsschutz drastisch reduzieren, warnt Cramer. Im Wein- und Obstbau müsste mit Verlusten von bis zu 220 € pro Hektar gerechnet werden.

Für die Industrieunternehmen hingegen hätte ein Verbot in Deutschland so gut wie keine wirtschaftlichen Einbußen zur Folge, wie eine Umfrage der agrarzeitung ergab. Für viele Anbieter sind diese günstigen Glyphosat-Produkte keine Umsatzträger. Neben Bayer haben auch Adama, BASF, Belchim, Nufarm und Syngenta glyphosat-haltige Produkte im Programm. Laut Belchim, das nur im Obst- und Weinbau Fertigmischungen mit anderen Wirkstoffen anbietet, beträgt der Anteil unter 1 Prozent. Bayer beziffert den prozentualen Umsatzanteil von Glyphosat in Deutschland auf unter 5 Prozent. Dennoch strebt Bayer eine Wiederzulassung in Europa an.

Aber das politische Signal für ein Glyphosat-Verbot in Deutschland ist gesetzt. So forschen alle Anbieter an Alternativen sowohl im Segment der chemischen als auch der biologischen Pflanzenschutzmittel. Bayer will in den kommenden zehn Jahren rund 5 Mrd. € in zusätzliche Methoden zur Unkrautbekämpfung investieren. Auch die Bundesregierung will die Entwicklung alternativer Verfahren jährlich mit rund 100 Mio. € pro Jahr fördern. Wirtschaftliche Folgen spürt die Pflanzenschutzindustrie kaum.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Hans
    Erstellt 8. September 2019 17:22 | Permanent-Link

    Das Verbot kommt um Jahre zu spät. Die vergifteten Lebensmittel lassen auch bei jüngeren Menschen Darmkrebs rapide ansteigen. Jetzt muß noch das Verklappen der holländischen Jauche verboten werden um unser Grundwasser zu retten. Leider haben sich unsere Landwirte aus Profitgier in den letzten 20 Jahren zu Umweltvergiftern entwickelt.

  2. thomas schmidt
    Erstellt 9. September 2019 22:24 | Permanent-Link

    Scheinbar ist auch das Denkvermögen und insbesondere die Fähigkeit, kompetent und sachlich zu argumentieren, durch Glyphosat angegriffen worden.

  3. Stefan
    Erstellt 19. September 2019 08:34 | Permanent-Link

    Leider macht der Anteil der Landwirte an unserer Bevölkerung nur noch 0.1% aus. Deshalb ist es klar das 99.9% der Bevölkerung wenig oder keine Berührung mit der Landwirtschaft haben und deshalb die Argumente der Landwirte nicht nachvollziehen können. Hans und Thomas sollten sich einmal anbieten auf den Feldern per Hand die Unkräuter zu entfernen.

  4. Schmidt Thomas
    Erstellt 19. September 2019 10:19 | Permanent-Link

    Stefan, bin selbst Landwirt, habe gemeint, dass Glyphosat sich auf die Denke der Glyphosat-Gegner auswirkt.

  5. Hans
    Erstellt 19. September 2019 19:17 | Permanent-Link

    Ich glaube kaum, dass der Sachverstand der EU vom Glyphosat vernebelt ist. Die EU droht aktuell mit Strafzahlungen in Höhe von ca. 700T€ pro Tag wegen der Überdüngung der Felder mit holländische Jauche. Es ist nicht hinnehmbar, wenn 0,1% der Bevölkerung (Landwirte) sich erdreisten, das Trinkwasser von 99,9% der Bevölkerung durch Überdüngung mit Nitrat zu vergiften.
    (Im Mittelalter wurden Brunnenvergifter am nächsten Baum aufgehängt.) Nach dem Verursacherprinzip sollte der Bauernverband den Mehraufwand für die Trinkwasserreinigung bezahlen, und die EU-Strafen auch.

  6. Schmidt Thomas
    Erstellt 20. September 2019 12:03 | Permanent-Link

    Vielleicht informieren Sie sich besser, Hans, sie haben sich um Faktor 10 vertan und es gibt keineswegs einen 100 prozentige Zusammenhang zwischen Nitrat im Brunnen und Landwirtschaft, wenngleich er gegeben ist. Wir können dann dem Städtetag nach ihrer Diktion die Umwandlung von CO2 in Sauerstoff in Rechnung stellen, denn das macht in hohem Masse nur die Land- und Forstwirtschaft, Nichtlandwirte produzieren nur CO2, Landwirte mit Ihren Pflanzen Sauerstoff. Man sollte eben nicht eindimensional denken. Nebenbei wird auch die Bevölkerung ernährt, was nicht selbstverständlich ist.

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