Pflanzenschutz

Augenmerk auf Alternativen richten

Pflanzenschutz muss neu gedacht werden. Das forderte Dr. Horst-Henning Steinmann von der Georg-August-Universität in Göttingen gestern auf der Pflanzenschutztagung in Bad Kreuznach.

Es würden beispielsweise seiner Beobachtung nach in der Beratung  "immer dieselben Mittelkombinationen zur Unkrautbekämpfung empfohlen". Dadurch wandele sich das Unkrautspektrum, die Artenvielfalt nehme ab und resistente Problemunkräuter nehmen zu, sagte Steinmann auf der Tagung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum in Bad Kreuznach. Die Landwirtschaft trage selbst zur Selektion mit ihren Anbausystemen bei und befinde sich quasi in einer "Biodiversitätskrise".

Das Versuchswesen sollte daher auch Alternativen untersuchen und nicht nur auf chemische Anwendungen schauen. Am Beispiel von Glyphosat sei deutlich geworden, dass der Wirkstoff übermäßig genutzt wurde. "Billiges Glyphosat hat uns bequem gemacht und den Blick für Innovationen verstellt", so seine Kritik. 

Dieser Wirkstoff bleibt der Landwirtschaft aber noch einige Zeit erhalten nach der jüngsten Entscheidung in Brüssel. Nun müssen alle Anbieter glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel bis Mitte März die Neuzulassung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beantragen. Neu ist, dass auch das Risiko für die Biodiversität geprüft werden soll. Wie dies das BVL umsetzen wird, ist noch offen. Dafür muss die EU-Kommission zunächst ein sogenanntes "Guidance Document" erstellen. Bis zur abschließenden Prüfung der Neuzulassungen können die glyphosathaltigen Mittel entsprechend ihrer Indikation angewendet werden.
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