Pflanzenschutz

Countdown für Neonicotinoide

Ein generelles Verbot von Neonicotinoiden steht nächste Woche auf der Brüsseler Tagesordnung. Eine Entscheidung ist unwahrscheinlich, denn eine wichtige Studie fehlt.

Seit dem Frühjahr 2017 fordert die EU-Kommission das endgültige Aus für drei Wirkstoffe aus der Klasse der Neonicotinoide. Imidacloprid und Clothianidin von Bayer sowie Thiamethoxam von Syngenta sollen generell für alle Freilandanwendungen verboten werden. Damit befasst sich in der kommenden Woche in Brüssel der für diese Fragen zuständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (PAFF-Ausschuss).

Ob die EU-Mitgliedstaaten nächste Woche im PAFF-Ausschuss zu einer Entscheidung über Neonicotinoide kommen oder nur darüber diskutieren, ist offen. Der geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat sich am Montagabend in der ARD-Talkshow ‚Hart aber fair‘ dafür ausgesprochen, neue Erkenntnisse der Efsa für die Bewertung abzuwarten. Er erkennt keine Dringlichkeit, weil die Anwendung von Neonicotinoiden als Beizmittel für Raps und Mais zurzeit ohnehin verboten ist (siehe Kasten). Der Vorschlag der EU-Kommission für ein generelles Verbot im Freiland hätte aber zur Folge, dass auch Beizmittel für Rüben und Behandlungsmittel für Kartoffelpflanzgut betroffen wären.

Aktuelle Situation

Bislang existiert nur ein vorübergehendes Moratorium für den Einsatz der drei Neonicotinoide als Beizmittel für Mais und Raps. Das befristete Verbot war Ende 2013 – zunächst für zwei Jahre – verkündet worden. Obwohl die Zweijahresfrist längst abgelaufen ist, gilt das Moratorium weiter. Im Raum steht der Vorwurf, dass die Wirkstoffe Bienen schädigen. Dazu will die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) bis Februar 2018 ihre wissenschaftliche Stellungnahme aktualisieren. Vor allem geht es darum, die Zusammenhänge zwischen Neonicotinoiden und Bienensterben nochmals zu prüfen.

Mehr Druck macht Harald Ebner von den Grünen. Er forderte in der ARD-Sendung ‚Hart aber fair“ Schmidt auf, nächste Woche für das generelle Freilandverbot der drei Neonicotinoide zu stimmen. Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat sich Anfang dieser Woche so positioniert. Die bereits jetzt in Deutschland geltenden Teilverbote für Neonicotinoide bezeichnet der Nabu als ineffektives Mittel, um das Bienensterben aufzuhalten. „Um den Tod von Insekten und Vögeln zu stoppen, ist ein Komplett-Verbot die einzige Lösung“, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Darüber hinaus fordert der Nabu, national auch die Neonicotinoide Acetamiprid sowie Thiacloprid zu verbieten und die gesamte Wirkstoffgruppe aus Gewächshäusern zu verbannen.

„Minister Schmidt muss keine weiteren Untersuchungen mehr abwarten, die Faktenlage ist glasklar. Er kann direkt handeln.“
Leif Miller, Nabu-Bundesgeschäftsführer , 
Unterdessen klagen die beiden Hersteller Bayer und Syngenta vor dem Europäischen Gerichtshof gegen das bestehende Verbot. Die Rapssaat-Vertriebsorganisation Rapool tritt in der Sache als Nebenklägerin auf, weil vor allem wichtige Rapsbeizen fehlen. Ein Urteil steht aber noch aus.

 

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