Rübenbauer haben jetzt kaum noch Möglichkeiten, um die gefürchteten Moosknopfkäfer auszuschalten.
Foto: BASF
Rübenbauer haben jetzt kaum noch Möglichkeiten, um die gefürchteten Moosknopfkäfer auszuschalten.

Aus für Neonicotinoide: Sie dürfen ab Jahresende nicht mehr im Freiland verwendet werden. Das trifft vor allem die Anbauer von Zuckerrüben, die jetzt verstärkt gegen Insekten spritzen müssen.

Eine qualifizierte Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten stimmte für den Vorschlag der EU-Kommission im zuständigen PAFF-Ausschuss in Brüssel. Die EU-Kommission kündigte daraufhin ein Verbot der drei Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam für alle Kulturen im Freiland an. Es soll Ende 2018 in Kraft treten. In Gewächshäusern ist die Verwendung der drei Neonicotinoide weiterhin erlaubt.

Ein Teilverbot im Freiland etwa für Mais und Raps besteht bereits seit 2013. Die Ausweitung des Verbots im Freiland wurde unumgänglich, nachdem die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) im Februar den insektiziden Wirtstoffen Risiken für Wild- und Honigbienen bescheinigte. „Die Gesundheit der Bienen bleibt von entscheidender Bedeutung, weil sie die Artenvielfalt, die Erzeugung von Nahrungsmitteln und die Umwelt gelichzeitig betrifft, betonte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis nach der Entscheidung im PAFF-Ausschuss.

Der Brüsseler Entschluss hat vielfältige Reaktionen ausgelöst: „Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa“, sagt die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und bezeichnet die Biene erneut als „systemrelevant“.

Pflanzenschutzhersteller und Rübernbauern sehen das allerdings etwas anders. Für Syngenta kommt die Entscheidung zwar nicht überraschend. Sie stelle dennoch eine Enttäuschung dar, heißt es in einer Stellungnahme. Syngenta ist der Meinung, dass dies die falsche Entscheidung für Europas Bauern und für die Umwelt sei. Grund sind Zweifel an der Aussagekraft des Bee Risk Guidance Dokuments, das die Basis für die heutige Entscheidung in Brüssel darstellt. Das Papier sei realitätsfern ( „far removed from the reality of agriculture“), so Syngenta. Auch das Pflanzenschutzunternehmen Bayer hält die Beschränkung von Neonicotinoiden auf Gewächshaus-Kulturen für einen „schlechten Deal für die europäische Landwirtschaft und die Umwelt“. Bayer bemängelt die fehlende gründliche Folgenabschätzung, da jetzt unter anderem auf ältere, weniger wirksame Chemikalien zurückgegriffen werden müsse. Die europäische Zuckerrübenvereinigung Cibe spricht in diesem Zusammenhang von einem schweren Schlag gegen die Zuckerrübenbauern und sieht den Anbau in Europa gefährdet.

Tackmann stärkt Klöckner den Rücken

„Jahrelang wurden die ökologischen Risiken, insbesondere die Bienengefährlichkeit, der Pestizidgruppe der Neonicotinoide als Kollateralschaden verharmlost“, erklärt Kirsten Tackmann, Sprecherin für Agrarpolitik der Fraktion Die Linke. Sie begrüßt die „längst überfällige Entscheidung“ und findet es gut, dass die neue Landwirtschaftsministerin Klöckner die Hängepartie ihres Amtsvorgängers mit einem klaren Votum für das Verbot beendet habe.

Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik hat einen klaren Satz parat: „Das wurde aber auch Zeit“. Diesem überfälligen ersten Schritt müssten jetzt weitere folgen, so der Grünen-Politiker. Greenpeace fordert eine nationale Pestizidsteuer.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Thomas Schmidt
    Erstellt 27. April 2018 18:58 | Permanent-Link

    Hoffentlich werden die Landwirte bei der nächsten Wahl besser wissen, wer Ihre Interessen überhaupt nicht mehr vertritt, was ist ein prozentual geringer Verlust an Bienen verglichen mit dem Verlust an landwirtschaftlichen und zuckerindustrieverbundenen Existenzen, man muss doch mal die Kirche im Dorfe lassen und nicht im Bienenstock. Dass nach 20 Jahren flächendeckender Anwendung überhaupt noch eine Biene lebt, muss ja, wenn die Studie stimmt, dann wohl das 7.Weltwunder sein, oder ist das Neonic via Zucker in die Gehirne der Entscheidungsträger gelangt

stats