Pflanzenschutz

Häufiger befristete Zulassungen


Solange mögliche Auflagen für die Biodiversität nicht einvernehmlich geregelt sind, werden Pflanzenschutzmittel nur befristet zugelassen. Landwirten und Händlern fehlt die Planungssicherheit.

Kürzlich hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für weitere 14 Herbizide, drei Insektizide und ein Fungizid befristete Zulassungen bis zum 31. Dezember 2019 erteilt. Es handelt sich um folgende Produkte (Wirkstoff in Klammern):

  • Herbizide: Aktor (Rimsulfuron), Tanaris (Quinmerac + Dimethenamid-P), Kinvara (MCPA + Clopyralid + Fluroxypyr), Corida (Tribenuron), Quizalofop-p-ethyl 50g/l EC (Quizalofop-P-ethyl), MON 76473-SL (Glyphosat), Stretch (Nicosulfuron), Belkar (Picloram + Halauxifen-methyl), Ikanos (Nicosulfuron), Gajus (Picloram + Pethoxamid), Tramat 500 (Ethofumesat), Shiro 500 (Triflusulfuron), Boudha (Metsulfuron + Tribenuron), Pelican Delta (Metsulfuron + Diflufenican)
  • Insektizide: Fasthrin 10 EC (alpha-Cypermethrin), Alfatac 10 EC (alpha-Cypermethrin), Benevia (Cyantraniliprole)
  • Fungizid: Tebkin (Tebuconazol)

Die meisten Mittel hätten eigentlich bis weit in das Jahr 2020, einige von ihnen sogar für mehrere Jahre zugelassen werden können, betont das BVL. Denn normalerweise legt die Behörde die Zulassung nach der Formel „Dauer der EU-Wirkstoffgenehmigung plus ein Jahr“ fest. Danach hätte das Herbizid mit dem Wirkstoff Glyphosat (genehmigt bis 2022) bis Ende 2023 oder das neue Insektizid Benevia (Wirkstoff genehmigt bis 2026) bis Herbst 2027 zugelassen werden müssen. Da aber das Umweltbundesamt (UBA) allen 18 Pflanzenschutzmitteln, die zur Zulassung anstanden, „erhebliche negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, insbesondere auf die Insektenwelt“ attestiert, will das UBA für die Produkte zusätzlich ab Januar 2020 Auflagen zum Schutz der Biodiversität erteilen.

Bislang liegen nur die BMU-Pläne auf dem Tisch

Für solche Auflagen fehlen in Deutschland bislang klare Vorgaben. Auf dem Tisch liegt nur ein Vorschlag des Bundesumweltministeriums (BMU). Es hatte im November 2018 Pläne vorgestellt, nach denen die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln, die der Biodiversität schaden können, an Ausgleichsflächen mit Pflanzenschutzverzicht geknüpft wird. Die Größenordnung läge bei etwa 10 Prozent der mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Fläche. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hat sich bislang dazu nicht öffentlich positioniert.

Glyphosat und Lumiposa-Wirkstoff besonders umstritten

Unter den 18 Pflanzenschutzmitteln, die jetzt nur befristet zugelassen worden sind, befinden sich zwei Produkte, die dem Bundesumweltministerium (BMU) ein besonderer Dorn im Auge sind. Glyphosat möchte BMU-Chefin Svenja Schulze lieber heute als morgen vom Acker verbannen. Das Gleiche gilt für den Insektizidwirkstoff Cyantraniliprole, der eine ähnliche Wirkung wie Neonicotinoide aufweist. Er ist deswegen in Polen im Produkt Lumiposa bereits als Beizmittel für Raps zugelassen.

Solange die Wirkstoffe in der EU zugelassen sind, muss das BMU einen nationalen Sonderweg suchen, um in Deutschland die Ausbringung zu drosseln oder zu verhindern. Für Glyphosat hat die jetzige Bundesregierung im Frühjahr 2018 im Koalitionsvertrag einen Ausstieg vereinbart. Damit verbunden ist eine Ackerbaustrategie, die im Laufe des Jahres 2019 erarbeitet werden soll. Konkrete Inhalte sind aber nicht bekannt.

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