Pflanzenschutz

IVA will Ackerbaustrategie mitgestalten


Mit dem sinkenden Pflanzenschutzmittelabsatz finden sich die Hersteller ab. Gegen zusätzliche Auflagen wie 10 Prozent Biodiversitätsflächen wehren sie sich aber vehement.

Zum vierten Mal in Folge sind 2018 die Umsätze der deutschen Pflanzenschutzmittelhersteller gesunken. Die im Industrieverband Agrar (IVA) organisierten Unternehmen melden im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 7,4 Prozent auf weit unter 1,3 Mrd. €.  Gemessen am bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2014 fehlen etwa 20 Prozent, berichtete IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm heute auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Frankfurt.

Weniger Fungizide, mehr Insektizide

Schramm relativierte den Rückgang des Vorjahres mit dem Dürresommer 2018: „Keiner erwartete, dass dies an der Agrarchemie als Lieferant wichtiger Betriebsmittel spurlos vorübergeht.“ Das zeigt sich anschaulich auch nach Produktgruppen. Fungizide und Schneckenmittel ließen sich im trockenen Sommer in deutlich geringerem Umfang verkaufen, wogegen die Nachfrage nach Insektiziden – vor allem gegen Läuse – zunahm. Die Trockenheit hatte ihre Wirkungen bis in den Herbst 2018, der den Herstellern einen weiteren Rückgang der Herbstherbizide bescherte.

Mit solchen witterungsbedingten Einbußen müssten sich die Hersteller abfinden, weiß der IVA-Präsident. Dies gelte aber nicht für deutsche Sonderwege im Pflanzenschutzrecht. Ein besonderer Dorn im Auge ist Schramm die „10-Prozent-Auflage“, die das Umweltbundesamt (UBA) Ende 2018 zunächst als „Glyphosat-Ausstiegsplan“ angekündigt hatte, jetzt aber auf praktisch alle Pflanzenschutzmaßnahmen ausdehnen möchte. „Dagegen werden wir vorgehen“, kündigte der IVA-Präsident an und berichtete von Unterstützung durch Fachleute der Bundesministerien für Landwirtschaft, Wirtschaft und Justiz.

Der IVA bringt Vorschläge zum nachhaltigen Pflanzenschutz in die Ackerbaustrategie ein.
Foto: Rainer Sturm/pixelio.de
Der IVA bringt Vorschläge zum nachhaltigen Pflanzenschutz in die Ackerbaustrategie ein.

Generell will sich der IVA stärker in die politische Diskussion einmischen. Für die geplante Ackerbaustrategie der Bundesregierung hat der Verband einen 15-Punkte-Plan erarbeitet. Er skizziert, wie Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie Biostimulantien künftig zum nachhaltigen Ackerbau beitragen können. Für Schramm ist klar, dass ackerbauliche Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, abgestellt werden müssten – wie beispielsweise zu enge Weizen- oder Rapsfruchtfolgen. Er ist auch überzeugt, dass durch präzisere Ausbringungstechniken Dünge- und Pflanzenschutzmittel weiter eingespart werden können. Nicht akzeptieren will er aber Wettbewerbsnachteile, die durch nationale Sonderwege entstehen. „Es kann nicht sein, dass Pflanzenschutzprodukte überall um Deutschland herum zugelassen sind, nur bei uns nicht“, so Schramm. Auch diese Forderung nach Wettbewerbsgleichheit will er in der Ackerbaustrategie verankert wissen.

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