Pflanzenschutz

Klöckner: "Glyphosat nur für Profis"


Ministerin Julia Klöckner zeigt sich verärgert über irreführende Medienberichte.
Foto: J_Struck
Ministerin Julia Klöckner zeigt sich verärgert über irreführende Medienberichte.

Die Landwirtschaftsministerin will einen anderen Umgang mit Glyphosat. Einen angeblichen Streit mit Unions-Kollegin Gitta Connemann über ein nationales Verbot dementiert sie mit Nachdruck. Handlungsgrundlage bleibe der Koalitionsvertrag, erklärte sie heute in Berlin.

"Das Ziel einer Minimierungsstrategie für den Einsatz von Glyphosat wird konsequent verfolgt", sagt die Ministerin. Dazu bereitet sie den Entwurf einer Verordnung vor, der anschließend in die Ressortabstimmung geleitet wird. Darin enthalten seien wesentliche Schritte zur weiteren Minimierung von Glyphosat in den verschiedenen Anwendungsbereichen, führte Klöckner aus.

Nach wie vor gelte die im Koaltionsvertrag gefundene Formulierung, dass "der Einsatz von Glyphosat so schnell wie möglich" beendet werden solle. Jedoch sei klar, dass dies nur EU-rechtskonform geschehen könne. Auf nationaler Ebene gebe es verschiedene Möglichkeiten, in eigener Verantwortung die Verwendung einzuschränken. Dazu gehöre das Verbot der Glyphosat-Anwendung in Kleingärten ohne Sachkenntnis. "Glyphosat gehört in die Hände von Profis", so Klöckner. Ein Verbot solle ebenfalls eingeführt werden für Parks und kommunale Flächen. Auch werde sie sich einsetzen für eine bundeseinheitliche Regelung für ein Glyphosatverbot in der Nähe von Gewässern.

Saumstrukturen gefordert

Auch für die Anwendung von Glyphosat in der Landwirtschaft sehe die Verordnung Änderungen vor, so die Ministerin. Als Voraussetzung solle künftig gelten, dass nach ihren Worten "Saumstrukturen" wie beispielsweise Hecken vorhanden sein müssten. Einer großräumige Anwendung in "Agrarsteppen" ohne ökologische Rückzugsmöglichkeiten solle so entgegengewirkt werden. Ausnahmslos verboten werde Glyphosat in Naturschutzgebieten. Als Teil der Minimierungsstrategie für Glyphosat werde die Entwicklung alternativer Pflanzenschutzmittel verstärkt gefördert werden, kündigte Klöckner an. 

Energisch wies die Ministerin einen Bericht der "BILD"-Zeitung zurück, wonach ihre CDU-Fraktionskollegin Gitta Connemann die Möglichkeit für ein vollständiges nationales Verbot von Glyphosat sehe. Ihre Kollegin Connemann habe sich in gleicher Weise über den Beitrag verärgert gezeigt. Tatsächlich würden sie beide die gleichen Positionen vertreteten, betonte die Ministerin. Manchmal werde eben versucht, "auch mit Medien Politik zu machen", äußerte Klöckner.

Grüne wollen Erneuerung der Zulassung in Deutschland verhindern

Erwartungsgemäß reagierten die Grünen unverzüglich auf das Pressestatement der Landwirtschaftsministerin. "Klöckners Ausrede, Verbote seien EU-rechtlich nicht möglich, gilt nicht", erklärt Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Das Europa-Referat des Bundestages habe bestätigt, dass nationale Verbote und Anwendungsbeschränkungen von Pestiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat durchaus möglich seien, so sein Argument. Er fordert Klöckner auf, die Anträge für die Zulassungserneuerung der Glyphosat-Produkte in Deutschland zu blockieren. Sein Parteikollege Anton Hofreiter ergänzt, dass das Verbot der privaten Nutzung nur ein erster guter Schritt sei, aber als nächstes der Ausstieg in der Landwirtschaft eingeleitet werden müsse.

DBV-Präsident Joachim Rukwied begrüßt hingegen, dass die Bundeslandwirtschaftsministerin beim Glyphosat-Ausstieg keinen nationalen Alleingang machen will.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Dipl. Ing. Gerald Aichinger
    Erstellt 17. April 2018 17:30 | Permanent-Link

    Urteile von Laien, die breitenwirksam über verschiedene Medien kommuniziert werden, verunsichern Konsumenten, Landwirte und setzen auch Fachleute unter bedeutenden Druck.
    Wir verwenden seit vielen Jahren Glyphosphat nach Winterbegrünung zur Pflanzenabtötung. Unsere Böden wurden in den letzten Jahrzehnten humusreicher, biologisch aktiver und fruchtbarer. Das Verschwinden von Feldrainen, dauerhaften Öko- und Grünladflächenflächen (nur einmal gemäht) sind die Hauptursachen der Biologieveränderungen in den Agrarlandschaften.

stats