Pflanzenschutz

Klöckners Statement sorgt für Wirbel im Netz

Die Bioverbände sind wenig entzückt über Julia Klöckners Forderung nach "Chemie" auf dem Bioacker. Doch sie hat eine Debatte losgetreten, an der sich hochrangige Politiker und eine aufgeregte Twittergemeinde beteiligen.

Kurz nachdem Medien berichtet hatten, die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner habe sich für Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau ausgesprochen, wird in den sozialen Medien heiß diskutiert. Robert Habeck, der neben Annalena Baerbock kürzlich zum grünen Bundesvorsitzenden gewählt wurde, kontert auf Twitter: "Nicht im Ernst, Julia Klöckner! Wir brauchen nicht Pestizide im Ökolandbau, sondern weniger im Konventionellen." Die Debatte gewinnt an Fahrt, weil eine Twitternutzerin Habecks Fachwissen im Weinbau in Frage stellt. "Herr Habeck, kann es sein, dass sie sich mit Weinbau nicht auskennen?" Zwar bezog sich Klöckners Aussage nicht explizit auf Wein. Doch er gilt als Paradebeispiel dafür, dass die Grenzen zwischen konventionell und Bio, zumindest im Streit um die Zulassung von Kaliumphosphonat, fließend sein können. 

Ebenso empört wie zuvor der agrarpoltische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, und der Bölw-Vorsitzende, Felix Prinz zu Löwenstein, reagiert der Verband Bioland: "Wie bitte!" Die Grundprinzipien im Ökoanbau würden über Bord geworfen. Selbst schlechte Zeiten für Biolandwirte könnten den Gebrauch von Pestiziden nicht rechtfertigen.

Das will die Twittergemeinde so nicht stehen lassen. Im Gegenteil, wettert ein Nutzer, im Ökolandbau werde schon heute mit Pestiziden gearbeitet. "Das wisst ihr doch ganz genau." Viele der angewendeten im Ökolandbau zugelassenen Produkte seien toxischer, als die im konventionellen Ackerbau. Er fordert Ehrlichkeit. Unklar bleibt, welche Stoffe genau gemeint sind. Bioland fragt direkt nach: "Woraus schließt du, dass die für den Ökolandbau zugelassenen Mittel toxischer sind?" 
In der Debatte wird grundsätzlich immer wieder das Schwermetall Kupfer genannt. Sowohl Bio- als auch konventionell arbeitende Winzer verwenden Kupfer gegen Mehltau. Hohe Konzentrationen stehen im Verdacht Bodenorganismen zu schädigen. Deshalb dürfen pro Jahr festgelegte Höchstmengen nicht überschritten werden. Ein Nutzer bringt es auf den Punkt: Allein die Begrifflichkeit "chemisch-synthetisch" versus "natürlich" sagt nicht unbedingt etwas über das Risikopotential eines Stoffes aus. 





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