Pflanzenschutz

Polen erlaubt Neonics-Beize für Raps


Die EU-Mitgliedstaaten gehen im Pflanzenschutz Sonderwege. Besonders betroffen sind Beizmittel für die Rapsaussaat.
Foto: Rapool
Die EU-Mitgliedstaaten gehen im Pflanzenschutz Sonderwege. Besonders betroffen sind Beizmittel für die Rapsaussaat.

In Polen soll für zwei Rapsbeizen auf Basis von Neonicotinoiden eine Notfallgenehmigung erteilt worden sein. In Deutschland sind solche Mittel schon seit 2014 tabu.

Das Internetportal farmer.pl berichtet unter Berufung auf „inoffizielle Quellen“, dass Polens Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski in der vorigen Woche für Modesto 480 FS und Cruiser OSR 322 FS eine befristete Genehmigung für Anwendungen in Winterraps in einem Zeitraum von 120 Tagen erteilt hat. Beide Beizmittel enthalten Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide, die seit Ende 2018 in der EU für alle Anwendungen im Freiland – also auch als Beizmittel – verboten sind. In Deutschland darf Raps aufgrund nationaler Verbote bereits seit 2014 nicht mehr mit diesen Wirkstoffen gebeizt werden.

Polen geht seit 2018 einen Sonderweg

Polen geht hingegen einen Sonderweg. Ardanowski hatte bereits im Juli 2018 für die Rapsbeizen eine Notfallgenehmigung durchgesetzt – sehr spät für die Rapsaussaat, kritisierten damals Landwirte, zeigten sich aber zufrieden, dass sie Zugang zu den Beizen hatten.
Der Landwirtschaftsminister ließ sich im Sommer vor einem Jahr auch nicht von Protesten aus der Umweltbewegung gegen die polnischen Ausnahmeregeln irritieren. Im Gegenteil, im Oktober 2018 erleichterte er den polnischen Landwirten ein weiteres Mal den Pflanzenschutz und erteilte ebenfalls eine Notfallgenehmigung für Rübenbeizen auf Basis der in der EU verbotenen Neonicotinoide.

Die aktuelle Notfallgenehmigung für die Rapsbeizung zur Aussaat im Spätsommer 2019 hat wie im Vorjahr der polnische Ölsaatenverband (KZPRiRB) beantragt. Der Verband schreibt zur Begründung, dass ohne Beizung der Schädlingsdruck überhand nimmt und die Landwirte geringere Erträge einbringen. Einige könnten auch die Flächen einschränken  Doch nur eine stabile Rapsproduktion würde die allmähliche Unabhängigkeit von importiertem Sojaschrot ermöglichen, so der KZPRiRB.

Entscheidung kommt frühzeitig vor der Rapsaussaat

Jetzt zeigt sich die Agrarbranche über die recht frühe Entscheidung 2019 erfreut. Modesto 480 FS darf nach Informationen von farmer.pl vom 20. Mai bis 17. September 2019 und Cruiser OSR 322 FS vom 1. Juni bis 28. September 2019 verwendet werden. „Damit haben Saatgutunternehmen, Beizmittelhersteller, Agrarhändler und Landwirte selbst mehr Zeit, sich auf die Situation einzustellen“, schreibt farmer.pl.

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