Pflanzenschutzmittelzulassung

BfR-Präsident begrüßt Sonderausschuss

Mehr Transparenz erhofft sich der Präsident der deutschen Risikoprüfungsbehörde vom neuen Sonderausschuss im Europäischen Parlament. Seine Behörde will Industriestudien öffentlich machen.

Dass sich das Europäische Parlament (EP) jetzt stärker in die Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel einbringt, begrüßt Prof. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „An der Verbesserung der europäischen Verfahren kann nun mit vereinten Kräften von EU-Parlament und EU-Kommission gearbeitet werden“, zeigt er sich optimistisch für die Arbeit des neuen Sonderausschusses im EP.

Die EU-Kommission will die gesamte europäische Zulassung von Pflanzenschutzmitteln prüfen und im Frühjahr neue Regeln vorlegen, hatte EU-Verbraucherkommissar Vytenis Andriukaitis bereits im Dezember angekündigt. Er zieht damit Lehren aus der konfliktträchtigen Zulassung von Glyphosat. Zukünftig soll nicht mehr allein die Industrie Studien über mögliche Risiken liefern. „Wir planen mehr Eigenstudien durch die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa)“, sagte Andriukaitis damals. Der neue Sonderausschuss im EP wird den laufenden Prozess begleiten.

Hensel will Offenlegung von Industriestudien

Hensel erhofft sich wichtige Impulse für die politischen Rahmenbedingungen. „Häufig wird über zu wenig Transparenz bei der wissenschaftlichen Bewertung der Wirkstoffe geklagt – für eben diese Offenheit setzt sich das BfR seit Jahren ein“, sagt Hensel und ergänzt: „Wir selbst und auch die anderen beteiligten nationalen und europäischen Behörden und Interessengruppen arbeiten bereits seit längerem an einer optimierten und effizienteren Ausgestaltung der Risikobewertung.“ Dabei gehe es auch um Aspekte der Offenlegung von Industriestudien. Seine Behörde – wie auch die Efsa – trete dafür ein, toxikologische Originalstudien der Industrie für die Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen, so Hensel. Dies sei derzeit jedoch gesetzlich anders geregelt.

Das BfR war in den vergangenen Jahren als federführendes Institut für die Risikobewertung von Glyphosat häufig Zielscheibe von Umweltorganisationen und der Grünen. Wiederholt wurde dem BfR, aber auch der Efsa, Abhängigkeit von der Industrie unterstellt. Die Angriffe gipfelten im Herbst 2017 in Plagiatsvorwürfen.

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