Pflanzenzüchtung

Raps braucht mehr Resistenzen

Resistenzen gewinnen im Rapsanbau an Bedeutung. Denn der Pflanzenschutz bietet immer weniger Sicherheit. Die Rapszüchter können schon einige Erfolge vorweisen.

Bereits seit Jahren eingeführt sind Rapssorten mit Kohlhernieresistenz, ohne die auf Befallsflächen kein Anbau mehr möglich wäre. Ein neueres Beispiel ist die Resistenz gegen das Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV), die sich bei den heutigen Rapssorten zunehmend zum Standard entwickelt, berichtete Felix Nahrstedt, Produktmanager bei Limagrain, auf den LG-Feldtagen in dieser Woche in Peine.

Virus tritt seit dem Beizverbot auf

Bis 2014 war diese Resistenz nicht erforderlich, weil die grüne Pfirsichblattlaus, die das Virus verbreitet, durch die neonicotinoidhaltigen Beizmittel in Schach gehalten wurde. Doch seit dem Verbot solcher Beizen in Deutschland breitet sich die Laus und in Folge TuYV schnell aus.

Nahrstedt berichtete von 10 bis 15 Prozent Ertragsverlust, wenn es zu großem Befall kommt. „Leider wissen wir aber vorher nicht, in welchen Jahren und in welchen Regionen das Virus besondere Schäden hinterlässt", erklärte der Limagrain-Fachmann weiter. Deswegen führt sein Unternehmen ein bundesweites Monitoring durch. Die Auswertungen aus den Jahren 2017 bis 2019 zeigen, dass es immer Befall gab, aber in unterschiedlicher Stärke, wie an den roten Punkten im Bild zu sehen ist.

Je mehr rote Punkte, desto stärker ist der Befall mit dem Wasserrübenvergilbungsvirus.
Foto: db
Je mehr rote Punkte, desto stärker ist der Befall mit dem Wasserrübenvergilbungsvirus.
Für Nahrstedt zeigt das Beispiel des Wasserrübenvergilbungsvirus auch, wie durch eine plötzliche Veränderung der Rahmenbedingungen – in dem Fall das Verbot neonicotinoidhaltiger Beizmittel – eine Resistenz quasi von einem Tag auf den anderen wichtig werden kann. Deswegen müssten Züchter mögliche Zukunftsszenarien antizipieren.

Eine ausführliche Darstellung der Resistenzzüchtung bei Raps finden Sie im Saatgut-Report, der am Freitag, 14. Juni, in der gedruckten Ausgabe der agrarzeitung erscheint.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 13. Juni 2019 10:25 | Permanent-Link

    Zwei Fragen zu vorstehender Darstellung im Nachgang:

    1. Ist obig geschilderte Thematik ein hausgemachtes Problemfeld?
    2. Welche Betriebe sind hiervon vornehmlich tangiert?

    Die UFOP positionierte sich noch vor einiger Zeit dahingehend, wonach in Regionen, in denen bereits eine hohe Rapsanbauintensität vorherrschte, selbige Anbauintervalle noch weiter herabzusetzen wären. Von ehemals 5, 4 auf sodann 3 Jahre, lautete die dahingehende Empfehlung. Einige Spitzenbetriebe verkürzten sogar auf einen 2-Jahres-Anbaumodus, mit hernach kommunizierten Spitzenerträgen jenseits der 5 t/ha realiter eingefahrenem „schwarzem Gold“. Eine solche Positionierung ist u.a. auch zu recherchieren bei NU-Agrar, wo man eine ähnliche Intensivierung des Rapsanbaus noch vor Jahren hemmungslos empfohlen hatte.

    Für die Rapsanbau-Pioniere in den 1980er war Raps eine Extensivkultur; mit nur bescheidenen Möglichkeiten war auf jungfräulichen Böden ein Ertragspotential von 3-4 t/ha nichts Außergewöhnliches. Heute träumt man von solchen Ergebnissen allenfalls noch, angefangen bei mindestens 12 Überfahrten und mehr innerhalb nur eines Vegetationsverlaufs. Ehemals schwärmte man in den höchsten Tönen von diesem „schwarzen Gold vom Acker“, Dr. Franz Alt adelte die damaligen Rapsbauern sogar in den Öffentlich Rechtlichen Medien als „unsere Ölscheichs der Zukunft“.

    Was ist daraus aus heutiger Perspektive geworden? Was hat unsere Wissenschaft, die gesamte Agrarwirtschaft daraus gemacht!?

    Welche Omega-3- und Omega-6-Alternativen bietet uns Bauern die Züchtung? Wenn der Mikroplastikanteil in allen Fischen - beheimatet sowohl in unseren Weltmeeren als auch in den Binnengewässern - eine noch weitere Steigerung erfährt, wird unsere Züchtung die grüne Pfirsichblattlaus wohl flugs sträflichst vernachlässigen müssen...!

    Ich vermisse in obiger Positionierung wieder einmal einen zukunftsfähigen Weitblick, zeitnah gangbare Wege heraus aus einem solchen Dilemma.

    Der Plastikmüll-Weltmeister Deutschland hat in der Vergangenheit bis dato schon genug Plastikmüll still und heimlich exportiert. - Wo sind hier endlich die unverzichtbaren Alternativen?

    Wie sträflichst vernachlässigt wird übrigens eine CO2-Bilanz bei der Verbrennung in unseren Motoren? - Die Sonne schickt uns keine Rechnung!

    Diese komplex großen Themen werden nach wie vor extrem stiefmütterlich vernachlässigt, ...leider.

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