Am Freitag werden die EU-Mitgliedstaaten aller Voraussicht nach über ein komplettes Verbot von Neonicotinoiden im Freiland abstimmen. Da der Verbotsantrag wissenschaftlich fundiert ist, bleibt Politikern und Branchenvertretern kaum eine andere Wahl, als ihn gutzuheißen.

Korrektur
In der ersten Fassung dieses Artikels war ein Zitat von DBV-Präsident Joachim Rukwied falsch wiedergegeben. Dort hieß es: "Das geplante, komplette Verbot für Neonicotinoide halte er 'für notwendig und richtig.' "
Das korrekte Zitat von Herrn Rukwied lautete: „Wir halten es nach wie vor für notwendig und richtig,  Ausnahmen, beispielsweise für nicht-blühende Kulturen wie Zuckerrüben zuzulassen.“

Die Redaktion

Am morgigen Freitag steht der Antrag der EU-Kommission für ein komplettes Verbot von Neonicotinoiden im Freiland auf der Tagesordnung des zuständigen PAFF-Ausschusses in Brüssel. Bislang gilt dies nur für Mais und Raps. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will, wie viele ihrer EU-Amtskollegen auch, das Verbot durchwinken. Klöckner will zu ihren Worten stehen, dass Bienen „systemrelevant“ sind und alles „vom Markt“ müsse, was ihnen schaden könne.

Ein Risiko für Honig- und Wildbienen durch Neonicotinoide Beizen hat die EU-Lebensmittelbehörde Efsa  in ihrer erneuten Bewertung der Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam bestätigt. Lediglich in Gewächshäusern sollen die drei Neonicotinoide zugelassen bleiben. Etliche Agrarpolitiker und Vertreter der Agrarwirtschaft hatten in der langwierigen, öffentlichen Kontroverse um die Neuzulassung von Glyphosat stehts die Missachtung wissenschaftlicher Befunde zugunsten mutmaßlicher Befindlichkeiten beklagt. Vor dem Hintergrund wäre eine harsche Ablehnung eines wissenschaftlich unterfütterten Neonicotinoid-Verbots schwer zu rechtfertigen. Auch als Verhinderer des Bienenschutzes will sich wohl niemand profilieren.

Rukwied bleibt Maßstab der Wissenschaftlichkeit treu

Entsprechend moderat äußert sich Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), auf Anfrage von agrarzeitung.de dazu, dass Bundesagrarministerin Klöckner für das Neonicotinoid-Verbot stimmen will: „Wir haben immer erklärt, dass für uns nur die wissenschaftliche Beurteilung der Maßstab für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sein kann. Daran werden wir uns auch halten. Noch sind aber nicht alle Detailfragen abgeschlossen“, so Rukwied. „Wir halten es nach wie vor für notwendig und richtig,  Ausnahmen, beispielsweise für nicht-blühende Kulturen wie Zuckerrüben zuzulassen“, fügte er hinzu.

Der DBV-Präsident weist weiter darauf hin, dass den Landwirten derzeit keine Alternativen zum Einsatz von Neonicotinoiden zur Verfügung stünden. Es sei daher „eine echte Herausforderung, diese zu entwickeln und neue Produkte schnell zur Zulassung zu bringen, um unsere Pflanzen vor Schädlingen schützen zu können“, so Rukwied weiter. Das bestätigten auch Vertreter der Rapszüchtung und anderer landwirtschaftlicher Verbände am Rande der Jahresversammlung des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) am Mittwoch in Berlin. Als Konsequenz werde der Rapsanbau in Deutschland zurückgehen, sowohl hinsichtlich der Anbaufläche als auch der Erträge. Auch veränderte Fruchtfolgen würden sich ergeben, wahrscheinlich zugunsten von Leguminosenarten.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Gebhard
    Erstellt 26. April 2018 22:52 | Permanent-Link

    Es ist mehr als bedauerlich, dass eine Landwirtschaftministerin mit „Stallgeruch“ mehr in öffentlichem Opportunismus macht, als mit den Betroffenen nach Lösungen zu suchen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu stärken. Vielleicht denkt sie schon über ihren weiteren politischen Aufstieg nach. Schade. Die Landwirtschaftlichen Betriebe haben eine bessere politische Vertretung verdient.

  2. EU-BAUER Klaus1618
    Erstellt 27. April 2018 07:46 | Permanent-Link

    Man kann nur immer wieder den Kopf schütteln, was da unser allmächtiger Oberhäuptling der einen „Bauern"stimme so zum Besten gibt.

    In nunmehr auch wissenschaftlicherseits begründeten Erkenntnissen, dass man beim Einsatz von Neonicotinoiden die wirklichen PARTNER DER LANDWIRTSCHAFT(!) brutalsten Attacken aussetzt und damit zunehmend zu eliminieren droht, fordert Rukwied tatsächlich übergeordnete Ausnahmeregelungen von einem durchaus zu befürwortenden Anwendungsstopp gerade für die Zuckerrüben?

    Ausgerechnet diese Ackerkultur, die nur in unseren ausgewählten, eng begrenzten Gunstregionen wächst, bedarf eines solchen Sonderstatus?

    Mit der einstigen Königin vom Acker erzeugen die Bauern heute doch allenfalls noch dick gepolsterte Manager-Chefsessel innerhalb der Zuckerbranche. Der Anbau von Zuckerrüben ist für uns Bauern keineswegs alternativlos, da sind wir gegenüber unseren Milch erzeugenden Kollegen nach wie vor unzweifelhaft bessergestellt.

    Im übrigen kann man im Rahmen der Ausgestaltung einer gesunden Fruchtfolge - immer wieder DIE ZAUBERFORMEL im Ackerbau schlechthin - Zuckerrüben durchaus auch ohne Neonics erfolgreich anbauen.

    Probleme, die gerade in diesem Zusammenhang wohl nicht von der Hand zu weisen sind, finden wir vorwiegend in den sogenannten Speckgürteln, angesiedelt in einem Radius von ca. 20 Kilometern rund um unsere Zuckerfabriken. Auch da muss man also schlichtweg lernen, verstärkt im Einklang mit der Natur zu produzieren; jeder Raubbau holt uns irgendwann einmal ein und rächt sich dann bitterlich!

    Torpediert Rukwied mit seiner Haltung in dieser Thematik nicht wieder einmal die dringend notwendige Transparenzoffensive, riskiert die äußerst zäh nur wieder zu erlangende Akzeptanz einer Vielzahl von Verbrauchern, die als unsere Kunden den Bauern insbesondere vertrauen können müssen!?

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