Bayern-Ei

Prozess gegen Pohlmann hat begonnen


Die betroffenen Kunden wurden bereits informiert (Symbolbild).
Bild: Pixabay / jackmac34
Die betroffenen Kunden wurden bereits informiert (Symbolbild).

Vor vier Jahren sorgte der Bayern-Ei-Skandal für Schlagzeilen. Jetzt muss sich Stefan Pohlmann wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht verantworten.

 

Jahre lang hat der Bayern-Ei-Skandal immer wieder für Aufsehen gesorgt. Am Montag dieser Woche  begann der Prozess mit der Verlesung der Anklageschrift gegen den ehemaligen Firmenchef Stefan Pohlmann. Der frühere Geschäftsführer des niederbayerischen Legehennenbetriebs im Landkreis Straubing-Bogen muss sich wegen eines Salmonellen-Ausbruchs in mehreren europäischen Ländern verantworten. Ihm werden unter anderem mehrfache gefährliche Körperverletzung - in einem Fall mit Todesfolge, mehrfacher gewerblicher Betrug sowie Tierquälerei und Verstöße gegen das Lebensmittelrecht vorgeworfen.

Er soll 2013/ 2014 zugelassen haben, dass Eier aus seinem Betrieb europaweit ausgeliefert wurden, obwohl bereits Salmonellen nachgewiesen worden waren. Hunderte Menschen erkrankten, ein Mann soll an der Infektion gestorben sein. Die Ermittlungen waren äußerst aufwändig. Die Akten umfassen rund 200 Ordner. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, Stefan Pohlmann habe bereits seit Dezember 2013 gewusst, dass seine Betriebe an den niederbayerischen Standorten Aiterhofen und Wallersdorf mit Salmonellen kontaminiert waren. Dennoch habe er rund ein Jahr lang weiter Eier ausgeliefert. Eine Warnung der Öffentlichkeit unterblieb.

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Ein Kommentar von Horst Hermannsen
zur Affäre Bayern-Ei

Nach Auffassung der Anklage ließ  Pohlmann  Eier der Güteklasse A ausliefern, obwohl in seinen Ställen immer wieder Salmonellen nachgewiesen worden waren. Dass Menschen erkrankten, soll er billigend in Kauf genommen haben. Der Angeklagte habe außerdem seine Abnehmer um mehr als fünf Millionen Euro betrogen, weil er ihnen nahezu wertlose Eier verkauft habe.


Der Name Pohlmann  ist bei der Justiz nicht unbekannt. Der Vater des jetzt Angeklagten, Anton Pohlmann, galt zwischenzeitlich als einer der größten Eier-Produzenten Europas. Sein Aufstieg,  der in den 60er-Jahren begonnen hatte, war begleitet von Skandalen. Er soll Haltbarkeitsdaten verändert und Hennen in zu kleinen Käfigen gehalten haben. Anton Pohlmann wurde zu einer Millionenstrafe und einem lebenslangen Berufsverbot verurteilt. Diesmal steht für Sohn Stefan Pohlmann weit mehr auf dem Spiel als bei früheren Skandalen. Denn für Körperverletzung mit Todesfolge sieht das Gesetz eine Haftstrafe von mindestens drei und maximal 15 Jahren vor.



Der Angeklagte lässt sich von einem der renommiertesten deutschen Strafverteidiger vertreten: Professor Ulrich Ziegert. Ziegert bestreitet nicht, dass die Firma seines Mandanten den Salmonellenausbruch ausgelöst haben könnte. Dennoch gehe er "mit großer Zuversicht" in die Hauptverhandlung. Tatsächlich ist der gerichtsfeste Nachweis einer gefährlichen Körperverletzung in einem derartigen Fall äußerst schwierig. Die Ankläger müssen nicht nur beweisen, dass Stefan Pohlmann eine Kontamination von ausgelieferten Eiern und eine mögliche Erkrankung von Konsumenten billigend in Kauf nahm. Sie müssen auch konkret belegen, dass eine bestimmte Person durch diese Eier erkrankte. "Dieser Nachweis ist bis jetzt nicht gelungen", sagt Pohlmanns Verteidiger Ziegert. Das sieht die Staatsanwaltschaft anders. Die Ermittler stützen sich unter anderem auf Analysen von Lieferwegen, Zeugenvernehmungen, Probenergebnisse und die genetische Analyse von Salmonellenerregern.

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