Porträt

Politisch wie praktisch gefestigt

Friedrich Ostendorff auf seinem Betrieb in Bergkamen.
Barbara Langer
Friedrich Ostendorff auf seinem Betrieb in Bergkamen.

Friedrich Ostendorff ist Landwirt und Agrar-Experte der Grünen im Bundestag. Er begrüßt es, dass  Landwirtschaft und Umwelt einen festen Platz im Bewusstsein der Gesellschaft gefunden haben.

Aus „Westfalen“ stammenden Menschen werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben: bodenständig sollen sie sein, hartnäckig bis zur Sturheit. In einer älteren Ausgabe des Brockhaus-Lexikons werden sie als „oft von hohem Wuchs und breitschultrig“ beschrieben. Heinrich Heine widmet ihnen in „Deutschland – ein Wintermärchen“ ein ganzes Kapitel und schreibt: „Sie fechten gut, sie trinken gut, und wenn sie die Hand dir reichen – zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie; sind sentimentale Eichen.“ Der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, ist Westfale.

„Auch die Grünen müssen ihre Positionen überarbeiten, um zukunftsfähig zu bleiben.“
Friedrich Ostendorff, 

Ostendorff ist bekannt für fachlich ausgerichtete Positionen und Härte in der Sache. Doch jenseits der politischen Gefechte in den Räumen der Parlamentarischen Gesellschaft (PG) ist er immer an der Suche nach parteiübergreifenden Lösungen beteiligt. Er würde es wahrscheinlich nicht zugeben, doch ein wenig Stolz ist zu spüren, dass er zum Vorstand der PG gehört.

Der Fachpolitiker gehört zu der kleinen Gruppe praktizierender Landwirte im Deutschen Bundestag. Zum ersten Mal wirkte er dort in der Legislaturperiode 2002 bis 2005, im Jahr 2009 zog er erneut ins Parlament und wurde in der Bundestagswahl 2017 bestätigt. Ein Wimpernschlag im Vergleich zu seiner Familiengeschichte, die seit rund 700 Jahren einen Hof in Bergkamen am östlichen Rand des Ruhrgebiets betreibt. Seit 1978 liegt er in der Verantwortung von Friedrich Ostendorff und seiner Frau; seine Tochter hat zugesagt, das Erbe zu übernehmen.

Für Ostendorff war die Übernahme des elterlichen Betriebs nicht selbstverständlich. Als junger Mensch interessierte er sich mehr für Politik, ganz besonders für die neuere Geschichte. Bis zum heutigen Tag beschäftige ihn die Frage, ob die Reichsgründung durch Otto von Bismarck 1871 positive oder negative Auswirkungen für das Land, auch bis in die Gegenwart, gehabt habe. Doch Loyalität zur Familientradition ließ den jungen Hofnachfolger zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung bis zur Meisterprüfung bereits mit 22 Jahren absolvieren. Stark geprägt habe ihn damals seine Arbeit für den sogenannten „Betriebshilfsdienst“, der bei Notsituationen auf landwirtschaftlichen Betrieben einspringt und den Ablauf gewährleistet. Hier sei er mit existenziellen betrieblichen und sozialen Fragen der bäuerlichen Landwirtschaft konfrontiert worden. Die echte Begeisterung für die Landwirtschaft sei in dieser Zeit entstanden.

Den politischen Ambitionen folgte er durch Aktivitäten im Kreis ähnlich gesinnter Personen; und die 1970er Jahre, in denen er gesellschaftlich sozialisiert wurde, waren hochpolitische Zeiten. Im Vordergrund standen Strukturentwicklungen im ländlichen Raum sowie die Bewahrung der Umwelt. Die Auseinandersetzung mit dem damaligen Bauernverbandspräsidenten Freiherr von Heereman in der westfälisch-lippischen Landjugend waren prägend für das agrarpolitische Engagement. Im Jahr 1980 war Ostendorff Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und 13 Jahre deren Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen. Am Gründungsparteitag der Grünen im Jahr 1980 hat Ostendorff nicht teilgenommen, an deren programmatischer Arbeit aber von Beginn an mitgewirkt. Zum Vegetarier sei er in all der Zeit nicht geworden, sagt Ostendorff. Für eine seiner Meinung nach artgerechte Tierhaltung engagiere er sich als Mitgründer des Vereins „Neuland“ seit 1988.

Er sei erfreut, dass die Themen Landwirtschaft und Umwelt einen festen Platz im Bewusstsein der Gesellschaft gefunden hätten. Wahrscheinlich noch für diese Legislaturperiode wird der 65-Jährige seiner Partei im Bund zur Verfügung stehen, wie lange diese auch dauern mag. Für die Zukunft müsse auch seine Partei manche Positionen überarbeiten, ist er überzeugt. Sie müsse offen sein für wissenschaftlichen Fortschritt, aber sorgfältig Nutzen und Risiken abwägen. Dazu werde er in bekannt offener Art beitragen – wenn notwendig, auch fechten. Ganz Westfale eben.

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