Proteste

Landwirt gibt Bauvorhaben auf

Die Proteste gegen ein landwirtschaftliches Bauvorhaben haben auf der Staumauer am Edersee einen Höhepunkt erreicht.
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Die Proteste gegen ein landwirtschaftliches Bauvorhaben haben auf der Staumauer am Edersee einen Höhepunkt erreicht.

In Nordhessen zieht ein Landwirt einen Bauantrag für eine Hähnchenmastanlage zurück. Der Grund: Er hält den politischen und gesellschaftlichen Gegenwind nicht mehr aus. 

Die Landwirtsfamilie aus Waldeck in Nordhessen wollte eine Mastanlage für etwa 80.000 Hähnchen errichten. Die Investition sollte als neuer Betriebszweig dazu beitragen, den Hof für die nächste Generation fit zu machen. Rund 574.000 Tiere sollten dort jährlich gemästet werden, berichten lokale Medien. 

Schnell gab es Gegenwind aus der Bevölkerung. Eine Bürgerinitiative gründete sich in dem von Tourismus geprägten Ort. Zum Höhepunkt der Proteste im Sommer 2018 riefen die Initiatoren zu einer Menschenkette auf der Staumauer des nahe gelegenen Edersees auf. Erst vor kurzem sendete das Hessenfernsehen die Talkrunde "Jetzt mal Klartext!" aus Waldeck zum Thema "Bürger auf den Barrikaden - Massentierhaltung vor der eigenen Haustür?", bei der eine feindselige Stimmung spürbar war. Zahlreiche Sprechbeiträge der Familie sowie der Geschäftführerin des Kreisbauernverbandes wurden vom Publikum mit Buhrufen quittiert. 

Verlust der Pachtflächen angedroht

Die Proteste und persönlichen Anfeindungen, denen die Landwirtsfamilie ausgesetzt war, sei aber nicht der ausschlaggebende Grund für die Rücknahme des Bauantrags gewesen, teilte der Kreisbauernverband Waldeck vergangene Woche mit. "Zugrunde liegen dieser Entscheidung ein Antrag und eine Diskussion im Kreistag Waldeck-Frankenberg. Dabei wurde zu den verpachteten Domanialflächen Stellung bezogen. Demnach soll geprüft werden, ob eine vorzeitige Auflösung des Pachtverhältnisses möglich ist", so der Bauernverband über den Antrag der Kreistagagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen. Der Landwirt bewirtschaftet neben seinen eigenen Flächen, auf denen er die Mastanlage errichten wollte, noch rund 150 ha Pachtflächen, deren Eigentümer die Waldeckische Domanialverwartung ist. Der Antrag der Grünen hätte aus Sicht der Landwirtsfamilie die Gefahr bedeutet, dass der Hof seine Domanial-Pachtflächen und damit seine Existenzgrundlage hätte verlieren können. 

Die Fraktion der Grünen im Kreistag habe die Familie in äußerste Bedrängnis gebracht, so der Kreisbauernverband. Der Antrag wurde zunächst in den Ausschuss verwiesen. Trotzdem sei dieses erpresserische Verhalten ein Paradebeispiel für den Untergang der politischen Kultur, aber auch des fairen Umgangs miteinander. 

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