Geflügel

Putenmäster sollen kreativer werden


Putenhennen werden in deutschen Ställen immer seltener gemästet. Hier allerdings ist der Hahn (Mitte) in der Unterzahl.
Steffen Bach
Putenhennen werden in deutschen Ställen immer seltener gemästet. Hier allerdings ist der Hahn (Mitte) in der Unterzahl.

Putenhalter sollen auf Thanksgiving setzen. Auch könnten sie sich beim florierenden Hähnchenmarkt Inspiration holen. Der Verband Deutscher Putenerzeuger fordert mehr Ideen - dazu gehört auch mehr Wertschätzung für die Henne.

In der Putenmast hat sich in den vergangenen Jahren eine deutsch-polnische Arbeitsteilung entwickelt. Während im Jahr 2012 in Deutschland 18,4 Millionen Hähne und 14,3 Millionen Hennen gemästet wurden werden es in diesem Jahr wahrscheinlich 21,0 Hähne und 7,8 Mio. Hennen sein. Die Differenz zwischen männlichen und weiblichen Tieren wird sich dadurch von 4,0 auf 13,2 Millionen Tiere mehr als verdreifachen, sagte Thomas Stork am Freitag beim Fokus Geflügel in Twistringen. Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Putenerzeuger (VDP) mahnte auf der vom Mischfutterunternehmen Bröring organisierten Vortragsveranstaltung vor den Risiken dieser Entwicklung.

Polen nimmt viele Hennen ab

Derzeit werde ein großer Teil der in Deutschland schlüpfenden Hennen in Polen gemästet, wo die Putenfleischerzeugung in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Die Frage sei, ob die polnischen Mastbetriebe die weiblichen Tiere auch in Zukunft in diesem Umfang abnehmen. Die Putenmäster in Deutschland sollten deshalb die Pute wieder stärker in den Fokus nehmen, forderte Storck. Die weiblichen Hennen durch eine Geschlechtsbestimmung im Ei zu selektieren, lehnte der VDP-Vorsitzende mir den Worten – „eine Tötung der Henne halte ich für pervers“ – ab.

Hoffnung auf europäissche Regelung

Die zuletzt im Jahr 2013 überarbeitete freiwillige Vereinbarung zur Putenhaltung in Deutschland könnte die Grundlage für eine europäische Regelung sein, schlug der VDP-Vorsitzende vor. Er hofft, dass die Bundesregierung im kommenden Jahr einen Vorstoß auf europäischer Ebene startet, wenn Deutschland am Juli für sechs Monate die EU-Präsidentschaft übernimmt. Dann könnten unter anderem maximal zulässige Besatzdichten festgelegt werden. Noch keinen Durchbruch sei beim Thema Kürzung der Schnäbel erreicht worden. Die Verluste in den Herden mit unbehandelten Schnäbeln seien zu hoch.

Thomas Storck fordert bei der Vermarktung von Putenfleisch neue Ideen.
Steffen Bach
Thomas Storck fordert bei der Vermarktung von Putenfleisch neue Ideen.

Mehr Innovation bei Produkten notwendig

Mit knapp 6 Kilogramm pro Kopf und Jahr ist der Putenfleischverbrauch in Deutschland stabil. Storck forderte mehr Anstrengungen bei der Vermarktung des Fleisches. Ein Vorbild sind für ihn die Produzenten von Hähnchen, die den Pro-Kopf-Verbrauch seit dem Jahr 2000 von um 5 kg auf 13,2 kg steigern konnten. Ein Ansatz könnte dabei sein den Thanksgiving-Feiertag aus den USA in Deutschland populärer zu machen, um einen Anlass zum Puten-Verzehr zu schaffen. Notwendig seien zudem neue, innovative Produkte aus Putenfleisch. Dabei könnten sich die Putenfleischverarbeiter einiges von den Hähnchenfleischvermarktern abschauen, so Storck.

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