Raiffeisen Networld

"Wir sind offen für den privaten Handel"


Stellt sich dem großen Internethandel entgegen: Raiffeisen Netwold GmbH-Geschäftsführer Andreas Bauer.
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Stellt sich dem großen Internethandel entgegen: Raiffeisen Netwold GmbH-Geschäftsführer Andreas Bauer.

Amazon und Google investieren in die Daten von US-Landwirten und nehmen nach Einschätzung von Andreas Bauer, Geschäftsführer der Raiffeisen Networld GmbH, auch Deutschland in den Blick.

agrarzeitung: Wieso ist die Gründung der Raiffeisen Networld GmbH wichtig, um ein Gegengewicht aus der Agrarwirtschaft zu globalen Megakonzernen zu etablieren?

Andreas Bauer: Google etwa ist seit 2017 über seine Wagniskapital-Tochter substanziell am Farmer's Business Network, einer Marktplattform für Landwirte in den Vereinigten Staaten, beteiligt und hat ein soziales Netzwerk für US-Farmer etabliert. Nachdem nun ein Großteil der Zielgruppe Teil des Netzwerks ist, werden auf der Plattform die zur Verfügung gestellten Daten genutzt, um passgenaue Warenangebote zu vermarkten. Und das mittlerweile sogar in Kooperation mit Amazon, die 2018 übrigens auf der Grünen Woche waren. Aber auch Unternehmen aus der Industrie greifen die Unabhängigkeit der Agrarwirtschaft an.

Können Sie Beispiele nennen?

Bayer etwa hat im Zuge der Übernahme von Monsanto auch die Climate Corporation, einen Anbieter von Smart-Farming-Lösungen, mit- erworben. Monsanto hatte das Unternehmen bereits 2013 übernommen, um näher an die Daten der Landwirte zu kommen.

Inwiefern drohen Internetkonzerne und die Industrie, die deutsche Landwirtschaft abhängig zu machen?

Beide Gruppen zeigen starke Tendenzen, die Kontrolle über den Kundenzugang zu erlangen und damit Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen, welche Produkte verwendet werden. Amazon hat 1999 als Online-Shop für Bücher angefangen. Heute beginnt der Konsument seine Online-Suche nach einem beliebigen Produkt direkt bei Amazon und schaut gar nicht mehr nach Alternativen. Ist man als Unternehmen an diesem Punkt angekommen, kann man direkten Einfluss darauf ausüben, was gekauft wird, und zudem Gebühren verlangen, wenn andere Anbieter diesen Kundenzugang ebenfalls nutzen wollen. Dies kann auch in der Agrarwirtschaft passieren.

Die Raiffeisen Networld will ein neutrales Angebot schaffen. Aber inwiefern kann eine Plattform, die von Genossenschaften finanziert und betrieben wird, als neutral gelten?

Den Beteiligten ist bewusst, dass die Neutralität der wichtigste Treiber für den Erfolg der Plattform ist. Im Kern ist daher ein Unternehmenskonstrukt entstanden, welches verhindert, dass einzelne Gesellschafter dominanten Einfluss gewinnen oder Transparenz über Daten der anderen erhalten können. Zudem verspricht gerade die initiale Trägerschaft durch die Genossenschaften mit ihrem Förderauftrag für die Landwirtschaft eine hohe Neutralität.

Bleibt die Plattform auf den genossenschaftlichen Handel beschränkt, oder dürfen sich auch Investoren aus dem privaten Landhandel dem Projekt anschließen?

Eine perspektivische Nutzung der Plattform auch durch den privaten Landhandel ist eines unserer Ziele. Wir sind grundsätzlich offen für Investitionen durch den privaten Landhandel.

Interview: Stefanie Pionke


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