Raiffeisen Waren

Expansionen früher wie heute


 Die Zentrale, das „Raiffeisenhaus“ am Kasseler Ständeplatz, im Jahr 1956.
Raiffeisen Waren
Die Zentrale, das „Raiffeisenhaus“ am Kasseler Ständeplatz, im Jahr 1956.

Lasst Bilder und Menschen sprechen – unter diesem Motto hat die Raiffeisen Waren GmbH in Kassel ihr Jubiläumsbuch zum 125. Geburtstag in diesem Jahr gestaltet.


In der Chronik lässt das Unternehmen seine Geschichte mit vielen Fotos und Gesichtern Revue passieren – Höhen und Tiefen inbegriffen. Hessenland GmbH, RWZ Kassel oder jetzt Raiffeisen Waren GmbH sind nur einige Firmierungen, die das Kasseler Unternehmen getragen hat beziehungsweise noch trägt. Und eigentlich ist die Raiffeisen Waren gar keine „richtige“ Genossenschaft – firmiert sie doch als GmbH – und das seit 110 Jahren. Aber die grundsätzlichen Charakteristika, die das Unternehmen von jeher ausmachen, gehen auf den Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen zurück. Auch die Eigentümerstruktur ist genossenschaftlich geprägt, sind doch überwiegend Volks- und Raiffeisenbanken die Eigner. Im Bewusstsein der Branche sind die Kasselaner also eine der fünf Hauptgenossenschaften in Deutschland.

Ende der 1980er-Jahre hat die heutige Raiffeisen Waren GmbH eine dynamischere Entwicklung als in den Jahren zuvor erfahren. Auslöser für die lebhafteren Aktivitäten zum Ende der Dekade war eindeutig die Öffnung der innerdeutschen Grenze. Sie bot völlig neue Möglichkeiten in Thüringen, direkt angrenzend an das angestammte Gebiet. Der erste Schwung für den Ausbau des Unternehmens war gesetzt. Und er kam zur rechten Zeit: Rote Zahlen und eine dünne Eigenkapitaldecke prägten das damalige Bild der Gesellschaft. Und – Zufall oder Plan? – 1989 bekam auch Reinhard Stieglitz seine Chance. Er wurde Geschäftsführer und sollte, nach zuvor neun Jahren Tätigkeit in unterschiedlichen Abteilungen des Unternehmens, der Geschäftsführer mit der bisher längsten, aktiven Amtsperiode bis 2018 in Kassel werden.

Die Geschäftsführer Markus Braun (l) und Mario Soose bei der Präsentation des Geschäftsberichts 2019.
Raiffeisen Waren GmbH
Die Geschäftsführer Markus Braun (l) und Mario Soose bei der Präsentation des Geschäftsberichts 2019.

Unter Stieglitz‘ Führung erfolgten Expansionen über die Grenzen des eigentlichen Gebiets hinweg in den Norden Deutschlands und nach Dänemark im Technikbereich, der Einstieg in das Energiegeschäft und die Ausweitung des Baustoffhandels. Übernahmen und Beteiligungen prägten die Geschäfte, überregional in Deutschland. Die Investition in das Kraftfutterwerk in Hamm – ebenfalls ein Meilenstein. Diversifikation war und ist die Devise. Die Zusammenarbeit mit anderen Hauptgenossenschaften gehörte ebenfalls dazu. Der Blick auf die Eigenkapitalquote wurde dabei nicht vernachlässigt. Die Digitalisierung gehört heute zu den Kernthemen der Nordhessen und wird vorangetrieben. Der kürzliche, zweite virtuelle Feldtag in Gudensberg wird vom Unternehmen als Erfolg verbucht. Die Teilnehmerzahl übertraf die der „normalen“, analogen Feldtage.

Wer kommt, wer geht: Stühlerücken in der Agrarwirtschaft



Misserfolge gab es natürlich auch – wie in jedem Unternehmen. Ob es die Idee des Angebots von Fertighäusern war oder die Biogasanlage in Bebra, in der verpackte Lebensmittel zu Methangas und geklärtem Wasser verarbeitet werden sollten. Beides waren keine gute Ideen und wurden als Erfahrung verbucht. Personelle Fehlgriffe sind ebenfalls unter dieser Kategorie abgelegt.

Und wie soll es jetzt weitergehen? Mario Soose, derzeitiger Vorsitzender der Geschäftsführung, stellt sich gemeinsam mit seinem Kollegen Markus Braun weiteres Wachstum vor. Mit dem Expansionsgedanken sind sie in Kassel bislang schließlich gut gefahren. Dabei bleibt es bei der Strategie: Unternehmen, mit denen zusammengearbeitet werden soll, sollten den Kasselanern entweder regional oder inhaltlich nahe sein. Der Zukauf von oder die Beteiligung an Mittelständlern, die eine ähnliche Philosophie vertreten, werden dabei bevorzugt. Und die Digitalisierung soll weiter einen großen Stellenwert bekommen. „Wir wollen damit nicht die Kolleginnen und Kollegen wegrationalisieren, sondern die Vertriebsprozesse optimieren und verschlanken, die Prozesse vereinheitlichen“, so Soose. Und nachhaltig soll das Unternehmen am Ständeplatz ausgerichtet werden. So wenig Strom, Gas und Papier wie möglich verbrauchen. Das Auto möglichst in der Garage stehen lassen. Die Digitalisierung hilft dabei erheblich.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats