Rapsöl-Studie

Wissenschaftler: Keine Relevanz für Verbraucher

Kritik wird auch in Deutschland laut an der Fütterungsstudie aus den USA, die Rapsöl eine fördernde Wirkung auf die Entstehung von Alzheimer zuweist. Methodik und Interpretation seien fragwürdig.

Die Studie wurde kürzlich in der Online-Publikation „Scientific Reports“ veröffentlicht. Wissenschaftler hatten Labormäusen, die Alzheimer-Symptome hatten, über einen Zeitraum von sechs Monaten mit einer Kost gefüttert, die durch Rapsöl angereichert wurde. Danach zeigten die Mäuse etwa eine geringere Gedächtnisleistung als die Kontrollgruppe, die kein Rapsöl verabreicht bekam. Daraus zogen die US-Wissenschaftler den Schluss, dass Olivenöl, dem wie auch Rapsöl eine förderliche Wirkung gegen Alzheimer zugeschrieben wird, nicht uneingeschränkt durch Rapsöl ersetzt werden solle. „Obwohl weitere Studien erforderlich sind, rechtfertigen unsere Daten den gegenwärtigen Trend, Olivenöl durch Rapsöl zu ersetzen, nicht", folgern die Wissenschaftler Elisabetta Lauretti und Demenico Practicò von der Temple-Universität in Philadelphia.

Kein direkter Vergleich mit Olivenöl

Den Aufbau der Studie und die aus ihr abgeleitete Aussage kritisiert Prof. Gerhard Jahreis vom Institut für Ernährungswissenschaft an der Universität in Jena. So seien Versuchsergebnisse an gentechnisch veränderten Labormäusen nicht auf gesunde Organismen wie den Menschen übertragbar. Außerdem sei es kritikwürdig, dass die Wissenschaftler lediglich eine konventionelle mit einer durch Rapsöl angereicherten Diät verglichen. In den Schlussfolgerungen würden jedoch Rapsöl und Olivenöl gegenübergestellt, wobei sich die Autoren auf eine eigene frühere Studie zu Olivenöl beziehen.

Ein solcher Vergleich ist wissenschaftlich nicht haltbar und würde voraussetzen, dass beide Öle in derselben Studie vergleichend geprüft werden“, so Jahreis, der auch Vorsitzender der Fachkommission Humanernährung bei der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (Ufop) ist. Zudem sei das zur Fütterung der Versuchstiere eingesetzte Rapsöl nicht näher beschrieben worden. Wichtige Informationen, zum Beispiel zum Vitamin-E-Gehalt, zur Aufarbeitung des Öls oder zu weiteren Ölbestandteilen wie zum Beispiel Fettsäuren fehlten, so Jahreis.

Ähnliche Kritik hatten zuvor kanadische Wissenschaftler geäußert. Die Experten der Universität Manitoba kommen zu dem Ergebnis, dass die Studie "keine Relevanz für die Verbraucher" habe.

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