Resistenzen

Umweltbewertung für Nutztier-Antibiotika gefordert

Das Umweltbundesamt will, dass die Naturbelastung von Antibiotika stärker berücksichtigt wird. Reporter des Norddeutschen Rundfunks weisen derweil resistente Keime im Wasser nach. Auch die Tierhaltung wird verantwortlich gemacht.

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, plädiert für eine Umweltzulassung für Arzneimittel. „Wir müssen verhindern, dass Antibiotikarückstände in der Umwelt zum Problem werden, weil dies die Entwicklung von Resistenzen fördern könnte", so Krautzberger. Dabei ist dem UBA vor allem die Tierhaltung ein Dorn im Auge. Die EU diskutiert eine neue Gesetzgebung für die Zulassung von Tierarzneimitteln. Für das Umweltbundesamt ist dies die Gelegenheit, die Berücksichtigung von Umweltaspekten im Rahmen des Zulassungsverfahrens verstärkt zu fordern. Laut UBA fehle für rund 50 Prozent der verkehrsfähigen Antibiotika für Nutztiere eine umfassende Umweltbewertung.

Quellen sind Kläranlagen, Altenheime und Ställe

Zu dem selben Thema recherchieren Reporter des NDR. Die Journalisten Christian Baars und Oda Lambrecht hatten in Niedersachsen an zwölf Stellen Wasserproben gezogen und auf multiresistente Erreger untersuchen lassen. Das Wasser wurde in der Nähe von Kliniken, Altenheimen und Ställen entnommen. Der NDR hatte in allen Proben multiresistente Keime gefunden. "Das ist wirklich alarmierend", wird der Antibiotika-Experte Dr. Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut zu den Funden zitiert. Die Erreger seien in der Umwelt angekommen und das in einem Ausmaß, das ihn überrasche, heißt es in dem Beitrag.

Verschiedene multiresistente Erreger fanden sich an einer Stelle im Süden Niedersachsens, wo das aufbereitete Abwasser aus einem Altenheim abfließt. In der Nähe von Osnabrück hinter dem Auslauf eines Klärwerks fanden die Reporter ebenfalls multiresistente Keime. Diese Proben belegten laut NDR ein generelles Problem: Kläranlagen in Deutschland seien nicht darauf ausgerichtet, multiresistente Erreger komplett herauszufiltern. Die Kläranlagen bräuchten zur Risikominimierung eine vierte Klärstufe, fordert Krautzberger.

Ein weiterer besorgniserregender Fund war laut NDR der Nachweis des mcr-1-Gens. Bei Bakterien, die solch ein Gen in sich tragen, wirke das Reserveantibiotikum Colistin nicht mehr. Das Resistenz-Gen wurde 2016 in China entdeckt. Die landwirtschaftliche Verwendung des Medikaments ist mittlerweile dort verboten. Da Colistin in Deutschland in der Tierhaltung zum Einsatz kommt, halten Wissenschaftler es für wahrscheinlich, dass das Resistenzgen von dort stammt. Die Reporter hatten das Gen in Proben aus einer Region mit intensiver Tierhaltung nachgewiesen.


Wie stark die Gewässer tatsächlich belastet sind, ist allerdings kaum bekannt. Bisher fehlten laut NDR systematische Kontrollen auf solche Erreger. Die Reportage wird am Mittwoch, 7. Februar um 20:30 Uhr im NDR gesendet.

Arzneien in der Umwelt messen
Das Umweltbundesamt (UBA) will ein verpflichtendes und flächendeckendes Monitoring von problematischen Arzneimitteln in Gewässern und Böden einführen. Antibiotikaresistenzen seien vor allem in Krankenhäusern eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit, doch das UBA sieht auch zunehmende Antibiotikafunde in der Umwelt mit großer Sorge.
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