Rettet die Bienen

Obstbäume wegen Volksbegehren gefällt


Eine Fläche von rund 2.000m² voller Streuobstbäume rodete der Bauer - präventiv.
Bild: Pixabay / geraldfriedrich2
Eine Fläche von rund 2.000m² voller Streuobstbäume rodete der Bauer - präventiv.

Landwirte im Landkreis Forchheim haben zum Entsetzen Vieler in der Region ihre gesamten Obstbäume gerodet. Damit möchten sie strengeren Umweltauflagen zuvor kommen, die für Streuobstwiesen drohen. 

Zugegeben, es ist eine zweifelhafte Ehre, wenn der Pfarrer einen in der Sonntagspredigt als Naturfrevler bezeichnet. So geschehen ist es laut Medienberichten einem Landwirt aus Walkersbrunn in der Fränkischen Schweiz. Der Grund der sakralen Verdammnis: Der Landwirt hatte auf einer 2.000 Quadratmeter großen Fläche seine gesamten alten Obstbäume gerodet. Damit wollte er offensichtlich neuen, schärferen Gesetzen zuvorkommen, die den Landwirten nun als Folge des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" drohen.

Welche Verschärfungen das genau sind, ist indes unklar. Am morgigen Mittwoch soll das Gesetz im Landtag beraten werden. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Streuobstwiesen unter die schärferen Regeln, beispielsweise für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, fallen. 

Fehlerhafte Kartierung als Auslöser

Mit der Aktion war der abgekanzelte Landwirt aus Walkersbrunn nicht allein. Bei Helmut Schmitt, Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) seien zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Die Bürger werden als "fassungslos" beschreiben. Nicht nur in Walkersbrunn, sondern auch zwischen Leutenbach und Mittelehrenbach und bei Kirchehrenbach seien "massenhaft Bäume gerodet" worden. 

Der Bayerische Bauernverband (BBV) zeigt Verständnis für die Aktion der Landwirte. Auslöser der Panik sei eine offensichtlich fehlerhafte Kartierung der Biotope in Bayern gewesen, die unlängst im Internet aufgetaucht war. Laut Schmitt vom LBV seien 60 Prozent der Karten fehlerhaft gewesen, was das Dilemma ausgelöst habe. 

Nistmöglichkeiten und Brutplätze vernichtet

Eigentlich sollten nur extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen mit mehr als 2.500 Quadratmeter Fläche als Biotop kartiert werden. "Es wurden auch intensiv genutzte Flächen kartiert oder zwei verschiedene Flurnummern als ein Biotop zusammengefasst", erklärt Hermann Greif, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) dem Nachrichtenportal "infranken.de". Als Hauptgrund der Aktion nennt Greif aber die Verunsicherung über die Ausgestaltung der Auflagen. So haben die Landwirte Fakten geschaffen, um den Gesetzen zu entkommen. Greif zeigt dafür im Gespräch mit infranken.de Verständnis. 

So ganz ohne Ärger wird die Aktion für die Landwirte nicht ausgehen. Neben den Obstbäumen, die sie in der Brut- und Setzzeit nicht hätten fällen dürfen, haben sie laut Medienberichten auch die Hecken auf den Streuobstwiesen gerodet. Dem Vogelschützer Schmitt zufolge seien seltenen Vogelarten wie dem Neuntöter so Nistmöglichkeiten genommen worden. Mehr noch fürchtet Schmitt, dass bereits bestehende Bruten vernichtet wurden. Dem stellt sich BBV-Sprecher Greif entgegen: "Diese Natur hat nicht der Umweltschützer geschaffen, sondern der Grundstücksbesitzer."

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Martin Heinrichs
    Erstellt 7. Mai 2019 18:31 | Permanent-Link

    Schafft Anreize und keine Verbote!

    Die Landwirtschaft ist für jeden Vorschlag offen, aber bei Eingriffen in das Eigentum sehr empfindlich. Dann kommt es zu solchen illegalen Reaktionen. Damit ist niemandem gedient.

    Wer was für die Artenvielfalt, Biodiversität oder gegen das Insektensterben tun will, der kann sich gerne bei uns melden. Wir wissen was zu tun ist und bieten einige Möglichkeiten an.

  2. Andreas Rebbe
    Erstellt 7. Mai 2019 21:04 | Permanent-Link

    Da habe ich absolutes Verständnis für! Die Bevölkerung denkt sich irgendetwas aus und der Landwirt soll sich nicht so anstellen!!!

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