Risikomanagement

Viele Bälle in der Luft


Wie viel Geld einem Betrieb unter dem Strich bleibt, ist auch eine Frage des Risikomanagements.
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Wie viel Geld einem Betrieb unter dem Strich bleibt, ist auch eine Frage des Risikomanagements.

Einen Überblick über Vor- und Nachteile der verschiedenen Instrumente des Risikomanagements in der Landwirtschaft, die aktuell in der Diskussion stehen, gewannen Teilnehmer des Landesbauerntags in Koblenz. Ein dickes Brett ist weiterhin die Förderung der Prämien von Versicherungen gegen Wetterextreme.

Ob Gewinnglättung, steuerbefreite Risikoausgleichsrücklage („steuerliche Gewinnrücklage“) oder Förderungen von Versicherungsprämien: Aktuell befinden sich einige Ansätze zur politischen Unterstützung des Risikomanagements in der Landwirtschaft in der politischen Diskussion. Einen Überblick darüber, wie Stand der Dinge bei den einzelnen Vorschlägen ist, gewannen die Besucher beim 3. Landesbauerntag des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau unter dem Motto „Risikomanagement in der Landwirtschaft – Fit in die Zukunft!“ am gestrigen Montag in Koblenz.

Gewinnrücklage noch offen

Der steuerliche Gewinnglättungsmechanismus über drei Jahre hinweg hat in diesem Sommer die Zustimmung der EU-Kommission erhalten. Er kann voraussichtlich ab diesem Herbst wirksam werden. Der Mechanismus soll rückwirkend ab 2014 befristet Anwendung finden für die Dreijahreszeiträume 2014 bis 2016, 2016 bis 2019 sowie 2019 bis 2022. Das erläuterte Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), auf der Veranstaltung. Über verschiedene Länderinitiativen im Bundesrat zur steuerlichen Gewinnrücklage gebe es derweil noch keine Entscheidung.

Der steuerliche Gewinnglättungsmechanismus wurde bereits 2016 in Reaktion auf die Milchpreiskrise vorgeschlagen. Dabei werden die Gewinne eines landwirtschaftlichen Betriebs auf drei Jahre verteilt: Der Landwirt versteuert zwar zunächst seinen Betriebsgewinn für ein Jahr komplett; fällt dieser nach Berücksichtigung des Dreijahreszeitraumes geringer aus, wird möglicherweise eine Erstattung gezahlt. Nur Personengesellschaften, also keine AGs oder GmbHs, sollen in den Genuss dieser Maßnahme kommen. Bei der steuerlichen Gewinnrücklage darf der Landwirt einen Teil seines Betriebsgewinns in „starken“ Jahren separat ansparen, ohne diesen zu versteuern. Kommt der Betrieb in Liquiditätsschwierigkeiten, darf diese Rücklage aufgelöst werden.

Vor allem finanzstarke Betriebe profitieren

Ginge es nach der Vorstellung des DBV, der ein solches Instrument seit Jahren fordert, würde der Landwirt frei entscheiden dürfen, unter welchen Bedingungen er die Rücklage auflöst, wie Hemmerling betonte. Doch genau das ist umstritten: Wissenschaftler hatten in der Vergangenheit bereits kritisiert, dass es einem „verdeckten Steuererlass“ gleichkäme, wenn die Kriterien für die Auflösung der Rücklage nicht klar definiert seien. Dr. Frank Offermann vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaftslehre gab auf dem Landesbauerntag in Koblenz zudem zu bedenken, dass eine Risikoausgleichsrücklage zulasten der finanziellen Flexibilität eines Betriebs ginge: Deshalb sei ein Anreiz, von dem Instrument Gebrauch zu machen, vor allem bei Unternehmen mit hohen Gewinnen vorhanden.

Bei der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern Ende des Monats in Mainz wird die Unterstützung von Mehrgefahrenversicherungen und Trockenheit diskutiert werden. In Koblenz sprachen sich Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, und Hemmerling für eine Senkung der Versicherungssteuer für Trockenheitsversicherungen auf 0,03 Prozent der Versicherungssumme aus. Derzeit greift für solche Versicherungen der volle Steuersatz von 19 Prozent, während für andere Wetterversicherungen wie Hagel-Policen bereits der stark ermäßigte Satz Anwendung findet. Eine Senkung des Steuersatzes sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, um der aktuell sehr teuren Trockenheitsversicherung zu mehr Marktdurchdringung und damit sinkenden Prämien zu verhelfen, so die Verbandsvertreter.

Eine staatliche Förderung der Versicherungsprämien von Wetterversicherungen wie sie in anderen EU-Ländern, beispielsweise Luxemburg oder Österreich, bereits erfolgt, ist derweil politisch ein dickeres Brett. Dabei stellt sich nämlich die Frage der Finanzierung: Die Bauernverbände sprechen sich gegen eine Umwidmung von Mitteln aus der 1. Säule der EU-Agrarpolitik in die 2. Säule zur Finanzierung einer solchen Förderung aus. Denn in der Folge würden die Direktzahlungen geringer ausfallen. Ob zusätzliche nationale Mittel dafür fließen können, dürfte aber fraglich sein.

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