Rübenkampagne 2018

Zuckerrübenbauer sind besorgt

Bald sieht man wieder weißen Dampf aus den Zuckerfabriken steigen.
Foto: Nordzucker
Bald sieht man wieder weißen Dampf aus den Zuckerfabriken steigen.

Die diesjährige Zuckerkampagne startet im Nordzucker-Konzern am 12. September. Auf dem europäischen Zuckermarkt tobt ein heftiger Wettbewerb. Rübenlandwirte in Norddeutschland suchen wegen des Verbotes wichtiger Pflanzenschutzmittel nach Alternativen.

 
Schwache Erträge
Die ersten Zuckerrüben werden in den Nordzucker-Werken Chełmża (Polen) und Trenčianska Teplá (Slowakei) ab dem 12. September verarbeitet. Die Werke in den anderen Ländern starten in den darauffolgenden Tagen Schritt für Schritt mit der Zuckerproduktion. Bis zum 9. Oktober werden alle Werke im Konzern laufen. Damit startet Nordzucker eine Woche später in die Kampagne und reagiert so auf die extreme Trockenheit in den meisten Anbauregionen während der Sommermonate. Eine vorgelagerte Dicksaftkampagne hat im Werk Nordstemmen am 28. August begonnen. Die Kampagne endet im Januar 2019.
 

Der heftige Preisverfall bei Zucker war erwartet worden, doch dass es so heftig kommen muss, damit haben alle Marktbeteiligte nicht gerechnet. In dessen Folge sind auch die Rübenpreise deutlich gesunken, sagte heute in Hannover, Helmut Bleckwenn, Vorsitzender des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ).

Dr. Lars Gorissen, der als Vorstandsvorsitzender von Nordzucker mit dem DNZ die Preisverhandlungen führt, nennt einen Zuckerpreis von 361 €/t im Juni für Zucker. Das sind rund 140 €/t weniger als vor einem Jahr. Im Unternehmen habe im laufendenden Geschäftsjahr der „Kampf um die schwarze Null“ begonnen. Auch für die Folgejahre sieht Gorissen keine Besserung der Marktlage. Die Exporte von Zucker sind angesichts der niedrigen Weltmarktpreise geradezu unattraktiv. Die Rübenlandwirte bekommen zwar einen vorzeitigen Abschlag für ihre Rüben im Oktober von Nordzucker. Doch trotz der schwachen Erträge werden die Preise wegen der Überschusssituation in der EU nicht steigen, erklärt der Nordzucker-Chef.

Gekniffen sind vor allem Landwirte, die das flexible Abrechnungsmodell für Rüben abgeschlossen haben. Hier schlägt unmittelbar der Preisverfall von Zucker auf dem Weltmarkt durch. Der größte Teil der Anbauer habe jedoch Verträge zu festen Preisen geschlossen. Im nächsten Jahr rechnet Nordzucker EU-weit mit einer geringeren Anbaufläche von Rüben.

„Wir haben keine Angst vor den Märkten“, betont Dr. Heinrich Hubertus Helmke, Geschäftsführer des DNZ. Nur vor der Verzerrung fürchte er sich, weil in einigen EU-Ländern die gekoppelten Zahlungen an Rübenlandwirte, den Wettbewerb verzerre. Viele wollten damit der Zuckerbranche den Garaus machen, denn mit der GAP-Reform sollen die gekoppelten Zahlungen ausgebaut werden. In Deutschland sei das Instrument unvorstellbar.

Als eine Katastrophe bezeichneten die Verbandsvertreter das Verbot von neonicotinoiden Beizen im Rübenanbau sowie ab 2020 das Aus für die Herbidzide Dismedipham und Phenmedipham. Auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene seien derzeit kaum noch Sympathien für moderne Produktionstechniken erkennbar. „Verbandspolitisch müssen wir hier am Ball bleiben und uns künftig noch stärker in eine oft sehr emotional geführte Debatte einbringen“, kündigte Bleckwenn die anstehenden Veränderungen beim DNZ an. Wie solle ein DNZ überleben, wenn es keine Landwirte und keine Verträge mehr gebe? „Die Dynamik mit der wir uns anpassen müssen, verlangt uns alles ab“, sagte Bleckwenn. 

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